Karl Heinz Wolf, Sicherheitsbeauftragter der d 13, zieht eine positive Bilanz

Der radelnde Konfliktlöser

Mit dem Rad unterwegs: Karl Heinz Wolf ist Sicherheitsbeauftragter der documenta 13 und damit auch für die Lösung von Konflikten bei der Kunstschau zuständig. Foto:  Fischer

Kassel. „Es ist so, als ob mit der Eröffnung der documenta Kassel wachgeküsst worden ist: die vielen völlig unaufgeregten Menschen, die Farben und die Sprachen“, fasst Karl Heinz Wolf seine Begeisterung über die Atmosphäre in der Stadt zusammen. Dabei bedeutet die Kunstschau für den 61-Jährigen viel Arbeit und täglich neue Herausforderungen: Wolf, der bis zu seiner Pensionierung Chef des Kasseler Polizeireviers Mitte war, ist Sicherheitsbeauftragter der d 13. Meist ist er mit dem Rad unterwegs, um Konflikte an den verschiedenen Ausstellungsorten zu klären.

Bevor er diesen Job angenommen hatte, machte er sich Gedanken über mögliche Szenarien im Ereignisfall wie Bombendrohungen oder Menschen, die in der Masse austicken. Im Prinzip sei alles eingetreten, sagt Wolf, auch wenn es sich im Nachhinein zum Teil als falscher Alarm herausgestellt habe.

Reagenzglas als Lehrstück

Als zu Beginn der documenta im Kulturbahnhof Reagenzgläser mit einer verdächtigen Flüssigkeit entdeckt wurden, wurde dieser geräumt. Später stellte sich heraus, dass es nur Kunstblut von einer Performance war. „Das war ein Lehrstück für uns“, sagt Wolf. „Seitdem läuft die Kommunikation besser.“

Zum Teil missachteten die Besucher am Anfang die Beschilderung, sagt Wolf. Besucher, die zum Weinberg wollten, liefen mitten auf der Frankfurter Straße. Am Kulturbahnhof wurden Menschen beobachtet, die vom Schrotthaufen quer über zwölf Gleise zum nächsten Ausstellungsort eilten. „Gott sei Dank ist nichts passiert“, sagt der Sicherheitsbeauftragte. Termine mit dem Straßenverkehrsamt und der Bundespolizei waren die Folge, um Abhilfe zu schaffen.

Auf eine enge Vernetzung mit den übrigen Mitarbeitern der d 13, der städtischen Verwaltung und mit seinen früheren Kollegen ist Wolf angewiesen. Mit den Polizisten von der documenta-Wache steht er regelmäßig in Kontakt.

Die Occupy-Bewegung auf dem Friedrichsplatz hat alle überrascht. „Dass die zur documenta kommen, das hatten wir vorher gar nicht auf dem Schirm.“ Wolf hat regelmäßig Kontakt zu den Bewohnern. „Ich unterhalte eine intensive Kommunikation zum Camp.“ Der Sicherheitsbeauftragte hofft, dass das positive Verhältnis bis zum letzten Tag auch bleibt.

Wenn er unterwegs ist, dann hat Wolf auch immer einen Blick auf Gruppen. „Es sind nur autorisierte Führungen erlaubt.“ Wolf musste schon Kunstkenner bremsen, die auf eigene Faust Führungen gegeben haben. Genauso ist es mit trittbrettfahrenden Künstlern, die die d 13 als Plattform missbrauchen wollen. „Wir können nicht akkreditierte Kunst nicht tolerieren.“ Dann könnte man sich vor vermeintlichen documenta-Künstlern auf dem Friedrichsplatz und in der Karlsaue wohl kaum noch retten.

Zwischenmenschliche Probleme gibt es auch bei Kunstausstellungen. Besonders zwischen Besuchern und Aufsichten kommt es zu Konflikten: Beleidigungen, Nötigungen und selbst Körperverletzungen gab es bereits bei der d 13.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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