Zwölf-Stunden-Demo von Fridays for Future für Radwege in Kassel

XXL-Aktion für Radwege: Wird das die längste Demo, die es jemals in Kassel gab?

Mehr Platz für Radfahrer: Das forderten mehrere Initiativen bereits Mitte Mai, als sie für zwei Stunden einen Radweg in der Weserstraße errichteten. Der rote Teppich wird morgen von 16 bis 18 Uhr in der Wilhelmshöher Allee ausgerollt.
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Mehr Platz für Radfahrer: Das forderten mehrere Initiativen bereits Mitte Mai, als sie für zwei Stunden einen Radweg in der Weserstraße errichteten. Der rote Teppich wird morgen von 16 bis 18 Uhr in der Wilhelmshöher Allee ausgerollt.

Zwölf Stunden demonstrieren zahlreiche Initiativen am Freitag für temporäre Radwege in Kassel. Jonathan Faust von Fridays for Future erklärt, warum er von der Stadt enttäuscht ist.

Mit einer ungewöhnlichen Aktion protestieren Fridays for Future und andere Initiativen an diesem Freitag für temporäre Radwege. Ihre zwölfstündige Fahrraddemo soll dafür sorgen, dass auch in Kassel sogenannte Pop-up-Bikelanes entstehen, die während der Coronakrise in vielen Städten errichtet wurden, indem Autofahrern eine Spur weggenommen wurde. Wir sprachen mit Initiator Jonathan Faust von Fridays for Future.

Wird das morgen eine Rekord-Demo?

Wir hoffen, dass es die längste Demo wird, die es je gab. Ich weiß nicht, ob in Kassel jemals so lang am Stück protestiert wurde. Es gibt ja schon länger Forderungen nach temporären Radwegen in der Stadt. Passiert ist bislang jedoch nichts. Also haben wir uns gefragt, was noch mehr Aufmerksamkeit bringen könnte. Niemand wird zwölf Stunden mitfahren. Aber man kann zwölf Stunden lang unterschiedlichste Sachen erleben.

Was passiert an den zwölf Stationen?

Zu jeder vollen Stunde werden an einem bestimmten Ort der Stadt Aktionen angeboten. Beim ADFC kann man Abstandshalter basteln. Die Scientists 4 Future testen das Wissen der Teilnehmer in Sachen Klimaschutz. Der Klangkeller veranstaltet einen Poetry-Slam-Kreisel. Jeder kann sich einklinken, wo er Lust hat. Und wie bei der Critical-Mass-Rundfahrt, die jeden letzten Freitag im Monat stattfindet, machen wir uns die STVO zunutze. Mehr als 15 Radfahrer bilden einen geschlossenen Verband, für den die Verkehrsregeln gelten, als sei er ein Fahrzeug.

Warum braucht Kassel Pop-up-Bikelanes?

Wir erleben seit einigen Jahren, dass immer mehr Menschen radfahren wollen. Dazu haben wir aber immer noch nicht die nötige Infrastruktur. Es herrscht keine Flächengerechtigkeit in der Stadt, in der es immer noch zu viel Platz für Autos gibt. Die Stadt will nun zwar mit viel Geld die Infrastruktur für Radfahrer verbessern. Aber es dauert einfach sehr lang, bis ein Radweg geplant und realisiert ist. Bislang sieht man in Kassel von dem vielen Geld, das für die Verkehrswende zur Verfügung gestellt wird, kaum etwas. Pop-up-Bikelanes können dagegen sehr schnell umgesetzt werden. Darum gibt es sie in immer mehr Städten.

Wo sollen die in Kassel entstehen?

Ganz dringend brauchen wir so einen Radweg zum Beispiel an der Weserstraße zwischen Finanzamt und Katzensprung. Hier gibt es fünf Spuren für Autos. Radfahrer müssen ihren Weg mit Fußgängern und Autos teilen, die aus Einfahrten kommen.

Verkehrsdezernent Dirk Stochla lehnt solche Radwege als Aktionismus ab – auch deshalb, weil so die Akzeptanz für die Verkehrswende Schaden nehmen könnte. Wie wollen Sie bei Autofahrern für Verständnis werben, dass sie womöglich bald noch öfter im Stau stehen?

Man kann nicht darauf warten, dass es auch der letzte Autofahrer checkt. Die Stadt hat sich dazu bekannt, bis 2030 klimaneutral zu sein. Dazu gehört es auch, endlich die Verkehrswende einzuleiten. Das heißt: weg vom Auto und hin zu den Alternativen. Außerdem würde eine funktionierende Fahrradinfrastruktur vielleicht auch weitere Personen, die bislang Auto fahren, überzeugen, aufs Rad umzusteigen.

Gab es Kontakt mit den Verantwortlichen im Rathaus?

Wir haben Herrn Stochla eingeladen, um 17 Uhr bei der Hauptkundgebung vor dem Rathaus unsere Forderungen entgegenzunehmen. Bislang sieht es nicht so aus, als würde er kommen. Das wäre schade. Die Pop-up-Bikelanes sind eine gute Möglichkeit für die Stadt, sich zu profilieren. Ich bin optimistisch, dass es temporäre Radwege schon bald geben wird.

Fahrraddemo: Freitag, 8 bis 20 Uhr, an zwölf Orten in der Stadt. Dabei sind: Fridays for Future, Sozialer Friedensdienst, Scientists 4 Future, Essbare Stadt, Asta, ADFC, Dynamo Windrad, Greenpeace, Kassel Kohlefrei, Extinction Rebellion, Klangkeller, BUND, Klimagerechtigkeit Kassel, Caricatura und Braumanufaktur Steckenpferd. 

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