SPD-Fraktionschef: "Wir brauchen Leuchtturmprojekte"

SPD überrascht mit Vorschlag: Bekommt Kassel jetzt ein Fahrradparkhaus?

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Bietet Platz für mehr als 700 Räder: das Fahrradparkhaus in Göttingen.

Eineinhalb Jahre nach dem Start des Radentscheids kommt Bewegung in die Kasseler Verkehrspolitik. Nun überrascht die SPD mit dem Vorschlag für zwei neue Fahrradparkhäuser.

In der Diskussion um die Förderung des Radverkehrs überrascht die Kasseler SPD mit einem neuen Vorschlag. Fraktionschef Patrick Hartmann bringt zwei Fahrradparkhäuser ins Spiel. „Wir müssen solche Leuchtturmprojekte anpacken“, sagte der Sozialdemokrat unserer Zeitung.

Ein möglicher Standort könnte der bisherige Fernbus-Bahnhof in Wilhelmshöhe sein. Am dortigen ICE-Bahnhof gibt es derzeit viel zu wenige Radstellplätze, wie Hartmann festgestellt hat: „Morgens um halb neun finde ich keinen Platz mehr für mein E-Bike.“ Einen zweiten Standort schlägt er in der Innenstadt in der Nähe des Rathauses vor.

Zudem hat Hartmann eine Reihe weiterer Ideen, um die Radinfrastruktur in der Stadt auszubauen. So könnte neben der Goethestraße auch das Königstor als Radstraße ausgewiesen werden. Beide Straßen werden jetzt schon viel von Radfahrern genutzt. Allerdings fehlt eine direkte Schnellverbindung durch die Stadt. „Als Radfahrer muss man zu häufig abbremsen“, findet Hartmann.

Experten kritisieren schon lange, dass Kassels Radwegesystem vor allem ein Flickenteppich ist. Das gilt häufig auch für den Bodenbelag. Darum könnte es laut Hartmann sinnvoll sein, das Kopfsteinpflaster auf der Friedrich-Ebert-Straße in Höhe der Stadthalle durch Asphalt zu ersetzen. Bislang werden Radler dort ordentlich durchgeschüttelt. Zudem müssen sie aufpassen, nicht in die Straßenbahnschienen zu geraten.

Auch zwei bis drei Reparatursäulen, an denen Radler die Kette ölen oder Reifen flicken können, kann sich der SPD-Politiker in der Stadt vorstellen. Kampagnen für das Tragen eines Helms oder mehr Abstand beim Überholen hält Hartmann ebenfalls für sinnvoll.

Mit solchen und anderen Maßnahmen hat Karlsruhe seinen Radanteil in den vergangenen Jahren auf mehr als 30 Prozent gesteigert. Kassel will bis 2030 immerhin auf 14 Prozent kommen. Das ist auch Hartmanns Parteikollege Sascha Gröling zu wenig. Der verkehrspolitische Sprecher fragte zuletzt auf einer Podiumsdiskussion: „Warum wollen wir nicht Kassels sicherste Radstadt werden?“

Auch die Initiatoren des Kasseler Radentscheids hatten über ein Fahrradparkhaus diskutiert. Aus Kostengründen wurde es aus der Liste mit Zielen für eine Verkehrswende jedoch wieder gestrichen. Am Bahnhof Wilhelmshöhe hält Maik Bock vom Radentscheid ein Parkhaus für sinnvoll: „Welcher Pendler will sein 3000-Euro-Rad schon auf dem Vorplatz abstellen?“ In der Innenstadt sieht er hingegen keinen Bedarf.

Fahrradparkhaus Göttingen

Dass das Fahrradparkhaus in Göttingen immer noch etwas Besonderes ist, merkt Christian Schäfer an Passanten, die vor dem Gebäude auf dem Bahnhofsplatz stehen bleiben. „Viele fotografieren das“, sagt der Mitarbeiter des Radgeschäfts „Marcobike“, das das Parkhaus betreibt.

715 Räder können auf zwei Etagen von 5.30 bis 22.30 Uhr (sonntags von 8 bis 23 Uhr) sicher abgestellt werden. 24 Stunden kosten 1,30 Euro. Für eine Jahreskarte ohne festen Stellplatz zahlen Pendler 127 Euro. Die Auslastung beträgt 80 Prozent.

Ein solches Angebot schlägt SPD-Fraktionschef Patrick Hartmann nun auch für Kassel vor. Darüber muss erst einmal in seiner Fraktion diskutiert werden. Der Finanzausschuss berät derweil am morgigen Mittwoch über die Förderung des Radverkehrs. Zentrale Frage in der Debatte ist, wie viel Geld Kassel in die Radinfrastruktur steckt.

Bislang ist in der Magistratsvorlage von „mindestens 500 000 Euro“ pro Jahr zusätzlich die Rede. Zuletzt kritisierten jedoch Politiker fast aller Fraktionen, dass dies deutlich zu wenig sei. Maik Bock vom Radentscheid fordert: „Wir brauchen dazu endlich einen Beschluss der Stadtverordneten.“ 

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