Kasseler Karosseriebau-Meister hat ein flottes Dreirad für Behinderte entwickelt - Patent ist angemeldet

Radfahren soll jetzt I.S.I. werden

Gute Übersicht: Durch den erhöhten Standpunkt hat der Fahrer alles im Blick. Hans-Peter Neudenberger und sein Sohn Peter mit ihren I.S.I.-Rädern in der Aue. Foto: Fischer

Kassel. Ein Kasseler Tüftler hat das Rad neu erfunden - ein Rad, mit dem sich nicht nur Behinderte schnell fortbewegen können.

Hans-Peter Neudenberger ist Karosseriebau-Meister, Musiker und Autor. Er hat für die Bolz-WM von Dynamo Windrad ein Fußball-Lied komponiert und ein Buch geschrieben, das tief vom Glauben geprägt ist und Menschen auf der Suche nach den Bausteinen des Lebens begleiten möchte. Stillstand gibt es für den 63-Jährigen Vater zweier Kinder nicht. Und so kam er vor zwei Jahren, als es in seiner Werkstatt an der Frankfurter Straße während der Ferienzeit etwas ruhiger zuging, auf die Idee, einen Wagen zu konstruieren, vor den Schlittenhunde im Sommer gespannt werden sollten.

Doch dann kam alles ganz anders. „Während der Konstruktionsphase merkte ich, dass sich daraus ein solides, standfestes Fahrrad für Behinderte entwickeln ließ“, sagt Neudenberger. Ausgestattet mit einer Tasche für kleine Einkäufe und einem batteriebetriebenen 36-Volt-Elektromotor ist das I.S.I. - die Abkürzung steht für innovativ, sportlich, individuell - inzwischen als Patent angemeldet, ist TÜV-geprüft und hat das GS-Siegel, das die Sicherheit nach EU-Standard gewährleistet.

Reifenwechsel kein Problem

Das Dreirad bietet Behinderten, die stehen können, wie auch Rollstuhlfahrern die Gelegenheit zu Ausflügen von bis zu 50 Kilometern. Es besitzt einen Vorwärts- und einen Rückwärtsgang und hat einen sehr kleinen Wendekreis. Auf der Straße darf man damit 35, auf Gehwegen fünf Kilometer pro Stunde fahren. „Deshalb bauen wir auf Wunsch auch einen Tempomat und zusätzliche Beleuchtung ein“, sagt Neudenberger. Überhaupt kann das Rad an viele individuelle Wünsche angepasst werden. Auf einen Kettenantrieb hat Neudenberger bewusst verzichtet, „So kann jeder Reparaturen, wie einen Reifenwechsel, ohne Umstände selbst erledigen“

Fährt auch mit Pferd

Inzwischen sind die ersten Räder auf Kasseler Straßen und Gehwegen unterwegs, und schon haben auch Nicht-Behinderte ihr Interesse an dem Gefährt angemeldet. „Warum nicht“, sagt Neudenberger, „man kann damit bequem große Lagerhallen auf einem Firmengelände durchqueren oder sich als Lauffauler einen steilen Weg hochziehen lassen.“

2500 Euro kostet ein I.S.I.-Rad. Neudenberger hofft auf Fördergeld, um die Entwicklung vorantreiben zu können. Jetzt ist er auf der Suche nach einer circa 400 Quadratmeter großen Halle, in der die Räder künftig zusammengebaut werden sollen. Sein Wunsch ist, dass möglichst viele Behinderte dort arbeiten können.

Oft hört Neudenberger, dass sein I.S.I. Passanten von der Form her an einen römischen Kampfwagen erinnert. Seine Antwort darauf: „Ein Pferd kann man in der Tat auch davorspannen.“

Von Wilhelm Ditzel

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