Polizei ermittelt nun auch gegen das angebliche Opfer

„Der Gesuchte bin ich“: Vermeintlicher Schläger meldete sich bei der HNA

Kassel. Die Polizei in Kassel hat per Pressemitteilung einen etwa 30 Jahre alten Radfahrer gesucht, der einen Fußgänger die Nase blutig geschlagen haben soll. Eigentlich eine alltägliche Meldung. Doch jetzt hat sich der gesuchte Mann bei der HNA gemeldet - und um Hilfe gebeten.

„Sie suchen in Ihrer aktuellen Kasseler Ausgabe einen Täter, der einen unbescholtenen Bürger ins Gesicht geschlagen haben soll: Der Gesuchte bin ich.“ So beginnt ein anonymes Schreiben, das diese Woche an die Redaktion geschickt wurde.

Der Brief stammt von einem Radfahrer, der am Mittwoch, 10. August, einen 41-jährigen Fußgänger mehrfach auf die Nase geschlagen haben soll, nachdem dieser kritisiert hatte, dass der Mann bei Rot über einen Fußgängerüberweg gefahren war.

Die HNA berichtete: „Laut Polizei hatte der 41-Jährige um kurz nach 9 Uhr an der Fußgängerampel Wilhelmshöher Allee/Ecke Germaniastraße bei Rot gewartet. (...) Plötzlich sei ein Radfahrer bei Rot über den Fußgängerüberweg gefahren, berichtete der 41-Jährige später der Polizei. Als er den Radfahrer auf sein Fehlverhalten ansprach, stieg der Mann vom Rad und boxte den Fußgänger ohne Vorwarnung mehrfach ins Gesicht.“

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Diese Schilderung des vermeintlichen Opfers las der Radfahrer in der Zeitung. Es sei zwar richtig, dass er bei Rot über die Ampel gefahren sei, aber nicht, dass er damit angefangen habe, den Fußgänger zu schlagen. Vielmehr sei dieser nach einer verbalen Auseinandersetzung hinter ihm hergelaufen und habe ihn auf dem Überweg geschlagen und vom Rad gerissen. Dann sei es zu einer Rangelei gekommen, schildert der Radfahrer. Diese sei auch von Zeugen beobachtet worden. „Nun sah ich mich mit einer misslichen Lage konfrontiert: Die zwei soeben hinzugekommenen Zeugen mussten mich klar für den Täter halten ...“ Der Radfahrer flüchtete.

Der Leserbrief im Wortlaut:

Zivilcourage oder zuviel Rage? - Anonymer Brief des Radfahrers an die HNA

Die HNA hat die Polizei mit dem Inhalt des anonymen Briefs konfrontiert. Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch teilte mit, dass der Fall eine überraschende Wende genommen habe. Seine Kollegen hätten in den vergangenen Tagen weitere Zeugen vernommen. „Im Zuge dieser Vernehmungen deutete sich an, dass der Geschädigte möglicherweise der Polizei nicht die ganze Wahrheit erzählt hat. In einem intensiven Vernehmungsgespräch hat der 41-Jährige schließlich unseren Beamten gegenüber eingeräumt, dass er den ersten Schlag ausgeführt habe. Aber nur deshalb, weil der Radfahrer nach seiner Ansprache ihn mit den übelsten Beschimpfungen überzogen habe. Da hätte er kurz die Kontrolle verloren und zugeschlagen.“

Diesen Teil des Geschehens hätte der Fußgänger der Polizei „wohlweislich verschwiegen“. Die Zeugen, die im ersten Zug zur Verfügung standen, hatten komplett die Version des 41-Jährigen gestützt, weil sie offenbar auch erst im weiteren Verlauf der Auseinandersetzung dazugekommen waren, so Jungnitsch.

Die Polizei ermittele nun gegen beide Männer wegen des Verdachts der Körperverletzung. Damit auch der Radfahrer seine Version der Ereignisse gegenüber der Polizei schildern kann, „wäre es für ihn ratsam“, sich bei uns zu melden, so Jungnitsch. Tel. 05 61/910-0

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