Freiheitsstrafe wegen Betruges und Urkundenfälschung - 63-Jähriger muss über zwei Jahre hinter Gitter

„Radikal andere Maßnahmen nötig“

SÖHREWALD / Kassel. „Ich hatte nie die Absicht, jemandem zu schaden“, beteuerte der 63-jährige Angeklagte aus Söhrewald kurz vor der Urteilsverkündung. Gemeinsam mit seiner Frau saß er auf der Anklagebank des Amtsgerichts, weil die Staatsanwaltschaft den beiden Betrug und Urkundenfälschung vorwarf. Das Gericht war nach drei Verhandlungstagen überzeugt davon, dass alles, was in der Anklage aufgelistet worden war, zutrifft. Der 63-Jährige kassierte deshalb eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten, seine 57-jährige Frau kam mit einer Geldstrafe von 1 800 Euro davon.

Die beiden hatten die Vorwürfe bis zuletzt bestritten. Das Gericht sah es hingegen als erwiesen an, dass der Angeklagte einen Bekannten in Kassel dazu überredet hatte, ihm seinen Pkw zu leihen, weil er das Auto als Sicherheit für einen Kredit benötigte. Da er eine Steuerrückzahlung erwarte, könne er das Auto wieder auslösen, so sein Versprechen. Der Autobesitzer sah seinen Wagen nie wieder. In einem Baumarkt in Körle bestellte der Angeklagte eine Markise und reichte sie an einen Partner weiter, der sie an einem Wohnhaus anbaute. Der Angeklagte kassierte zwar Geld von seinem Partner, doch der Marktbetreiber blieb auf seiner Rechnung sitzen.

In Österreich leaste der 63-Jährige ein Auto, obwohl er zur Zahlung der Raten gar nicht in der Lage war. Er legte im Autohaus gefälschte Lohnbescheinigungen vor, und so bekam er das Auto. Die Bank, die das Leasing finanzierte, bleibt auf einem Schaden von rund 10 000 Euro sitzen. Gemeinsam mit seiner Frau mietete der Angeklagte ein Reihenhaus in Fuldatal, obwohl beiden klar war, dass sie die Miete nicht zahlen können.

Der 63-Jährige habe, sagte Richter Henning Leyhe, „sein Zahlungsrisiko auf andere verlagert“. Es war nicht das erste Mal, dass er auf der Anklagebank saß. In seinem Vorstrafenregister stehen einige Verurteilungen wegen ähnlicher Taten. Das Urteil des Amtsgerichts lag leicht über der Grenze von zwei Jahren, bis zu der Freiheitsstrafen noch zur Bewährung ausgesetzt werden können. Doch selbst wenn der Angeklagte nur zwei Jahre bekommen hätte, wären aus Leyhes Sicht die Voraussetzungen für eine Bewährung nicht gegeben gewesen. „Sie begehen seit vielen Jahren immer wieder Betrugstaten.“ Deshalb müssten „radikal andere Maßnahmen“ ergriffen werden. So wandert der 63-Jährige nun hinter Gitter. (pas)

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