"Wir spielen, was andere sich nicht trauen"

Radio Bob: Deutschlands erfolgreichster Rocksender kommt aus Kassel

+
Zwei Gesichter von Radio Bob: Auch die weltweit erfolgreichen Metal-Musiker Tobias Sammet (Avantasia, links) und Alice Cooper moderieren für den Kasseler Sender, der zur Kieler Regiocast-Gruppe gehört. Seit 2016 gibt es zudem einen Ableger in Schleswig-Holstein.

Immer mehr Rock-Fans hören Radio Bob. Der Sender aus Kassel stellt immer neue Rekorde auf - trotz der Konkurrenz von Spotify. Erfolgreich ist Radio Bob auch wegen Stars am Mikro.

  • 233.000 Menschen hören pro Stunde Radio Bob.
  • Radio Bob ist der erfolgreichste Rocksender in Deutschland und kommt aus Kassel.
  • Wir haben mit dem Radio-Bob-Programmgeschäftsführer Jan-Henrik Schmelter über den Privatsender gesprochen. 

Zwölf Jahre nach der Gründung ist Radio Bob längst eine Erfolgsgeschichte. Gerade war der in Kassel beheimatete Rocksender die100.000. Stunde on Air. Davor gab es wie jedes Jahr einen Hörerrekord – pro Stunde wurden 233.000 Hörer gezählt. 

Zugleich landete Radio Bob mit seinen 25 festangestellten Mitarbeitern das drittgrößte Werbeumsatz-Plus aller deutschen Radios. Und Programmgeschäftsführer Jan-Henrik Schmelter wurde vom Branchendienst Meedia zum Radio-Macher des Jahres gekürt. Wir sprachen mit dem 48-Jährigen.

Programmgeschäftsführer bei Radio Bob in Kassel: Jan-Henrik Schmelter

Radio Bob entwickelt sich gut

Herr Schmelter, feiern Sie gerade öfter?

Bei uns knallen täglich die Korken (lacht). Im Ernst: Das ist eine tolle Entwicklung. Vor allem wenn man die Umstände bedenkt, unter denen wir 2008 gestartet sind. Damals haben wir die Frequenzen und Räume am Ständeplatz von Sky Radio übernommen. 

Das Konzept der niederländischen Kette hatte nicht so richtig funktioniert. Wir haben uns gefragt: Was fehlt im hessischen Radiomarkt? Also haben wir ein ganz eigenes Format geschaffen: Wir haben uns auf Rockmusik konzentriert, eine eigene Ansprache entwickelt, den Community-Gedanken betont und uns digital ausgerichtet. 

Das gab es damals so noch nicht. Wir waren revolutionär. Keiner wusste, ob es funktioniert. Heute sind wir die größte Rockmarke im deutschen Radiomarkt.

Instagram: Die Redaktion feiert gemeinsam die immer neuen Hörerrekorde

Radio Bob hatte das richtige Timing

Warum sind Sie immer noch so erfolgreich? Mit Streamingdiensten wie Spotify kann heute jeder sein Lieblingsprogramm aus Musik und Podcasts auf dem Smartphone zusammenstellen.

Weil wir früh auf digitalen Content gesetzt haben. Radio Bob kann man klassisch über UKW empfangen, aber auch über DAB+, mit dem jedes neue Auto ausgestattet ist, und über unsere App. Dank der neuen digitalen Verbreitungswege können wir deutschlandweit neue Hörer gewinnen. 

Auch Spotify hilft uns, wenn man so will. Durch die Streamingdienste boomt Audio wie noch nie. Zugleich unterscheiden wir uns massiv von Spotify, wo Playlisten größtenteils von Algorithmen zusammengestellt werden. Bei uns steckt eine ganze Musikredaktion dahinter.

Man könnte aber auch sagen: Sie spielen die besten Rock-Hits von früher und heute, dazu gibt es ein paar Nachrichten und Verkehrsmeldungen. Sehr innovativ klingt das nicht.

Das stimmt nicht. Wir haben einen anderen Ansatz, Inhalte auszuspielen. Wir gehen zum Beispiel mit unseren Hörern auf Konzerte. Während andere Sender alles abbilden wollen, haben wir uns bewusst nicht breit aufgestellt. Wir transportieren das Lebensgefühl Rock.

Musikredakteure entscheiden welche Musik läuft

Wer entscheidet, welche Songs bei Ihnen tagsüber laufen: Redakteure oder Marktforscher?

Das mache ich mit meinen Redaktionsleitern. Wir hören uns durch Neuerscheinungen und greifen auch auf Marktforschungs-Tools zurück. „November Rain“ von Guns n’Roses etwa gibt es in zwei Versionen. 

Andere Radiosender spielen nur das drei Minuten lange Lied. Bei uns läuft die elf Minuten lange Originalversion, in der allein das Gitarrensolo vier Minuten dauert. Durch Marktforschung wissen wir, dass solche Stücke bei uns extrem beliebt sind. Wir spielen, was andere sich nicht trauen.

Dazu gibt es Shows, die von Stars wie Alice Cooper und dem Avantasia-Gründer Tobias Sammet moderiert werden. Wie wichtig sind diese Formate?

Sehr wichtig, weil sie zeigen, dass auch Rockmusiker bei Radio Bob zu Hause sind. Tobias Sammet aus Fulda war mit seiner Band schon in Wacken aufgetreten, als er uns fragte: „Ich höre euch immer. Was kann ich machen, damit ich bei euch moderieren kann?“ Er spielt bei uns seine Lieblingsmusik und erzählt die Geschichten zu den Songs. Das ist authentisch.

Video: Radio Bob veranstaltet ein eigenes Festival - "BOBs Rockcamp 2019"

Rock-Fans jeden Alters

Profitieren Sie davon, dass Rock-Fans eher konservativ sind und lieber CDs kaufen, statt zu streamen.

Ich weiß nicht, ob das stimmt. Wir haben eine breite Zuhörerschaft. Unsere Zielgruppe ist zwischen 25 und 55 und eher männlich. Aber entscheidender ist die Leidenschaft für Rock

Radio Bob hört der 75-jährige Althippie ebenso wie der 13-Jährige, der das erste Mal aufs Schlagzeug haut. Wir bieten mehr als 30 Streams an – vonMittelalter-Rock bis zu Alternative.

Nordhessen ist ein guter, zentraler Standort

Warum ist Nordhessen ein guter Radio-Standort?

Zum einen ist Kassel eine offene und moderne Stadt. Durch die Uni kommen viele junge Menschen hierher. Zum anderen kann man dank der zentralen Lage in der Mitte Deutschlands von hier aus mit Leuten aus den unterschiedlichsten Regionen zusammenarbeiten.

Wieso wird auch in zehn Jahren noch Radio gehört?

Weil sich das Nutzungsverhalten der Menschen verändert hat. Durch Erfindungen wie Alexa wird Audio immer wichtiger. Die Digitalisierung hat Radio zu einem Produkt gemacht, das sich immer und überall unkompliziert nutzen lässt. Es passt perfekt in unsere Zeit. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.