Stadt will Abhilfe schaffen

Kurios: Auf Radwanderweg am Friedrichsplatz ist Fahren verboten

Unklar: Links ist der Herkules-Wartburg-Radweg ausgeschildert, rechts verbietet die Fußgängerzone die Durchfahrt. Fotos: Ludwig

Kassel. Ein Radweg, auf dem per Verkehrsschild das Radfahren verboten ist: Das klingt im wahrsten Sinne des Wortes nach einem Schildbürgerstreich. Und doch ist es in Kassel Realität.

Neben dem Friedrichsplatz führt ein Teil des Herkules-Wartburg-Radwanderweges entlang. Radtouristen, die dort tatsächlich entlangfahren, begehen eine Ordnungswidrigkeit. Ein Fußgängerzonen-Schild verbietet die Durchfahrt mit Rädern. Jetzt will die Stadt Abhilfe schaffen.

Bernd Holzapfel wundert sich schon seit einem Jahr über die absurde Situation. Auf seinem Weg zur Arbeit kommt der Inhaber eines Brillengeschäftes jeden Tag mit seinem Rad an dieser Stelle vorbei. Weil er sich verwirrt fühlte, wandte er sich schon 2010 an das Straßenverkehrsamt und den Radbeauftragten der Stadt. Sein Vorschlag: Zusätzlich ein „Radfahrer frei“-Schild anzubringen, das die sportlichen Verkehrsteilnehmer aus der Illegalität holt.

Nach einem langen E-Mail-Verkehr zwischen Holzapfel und dem Rathaus schien es zunächst so, als ob die Stadt nicht für Klärung sorgen wolle. Eine Freigabe für den Radverkehr, so hieß es 2010, sei nicht möglich, weil sich daraus eine Gefährdung für Fußgänger ergebe. Zudem hätten die touristischen Wegweiser keine rechtliche Relevanz. Maßgeblich sei die Straßenverkehrsordnung.

An dieser Einschätzung hat sich im Rathaus nun etwas geändert. Der Radverkehrsbeauftragte Gerhard Späth teilte unserer Zeitung gestern mit, dass nun Bewegung in die Angelegenheit komme. „Ich habe die Nuss geknackt“, sagte Späth. In den nächsten ein bis zwei Wochen werde mit einer entsprechenden Beschilderung die Fußgängerzone auch an dieser Stelle für Radfahrer freigegeben. Noch habe er dafür nicht die nötige Genehmigung, aber diese erwarte er in den nächsten Tagen.

Auch wenn Bernd Holzapfel damit einen Erfolg verbuchen kann, so wird sich an seinen Fahrgewohnheiten nichts ändern. „Ich bin bislang trotz des Verbotes nicht von meinem Fahrrad abgestiegen“, gibt der Brillenfachmann zu. Er sei aber längst nicht der einzige Gesetzesbrecher gewesen.

Von Bastian Ludwig

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