Debatte um mehr Geld für die Radinfrastruktur

Investitionen in Kasseler Radwege: Grüne wollen sich an Kopenhagen orientieren

+
Aus Sicht der Grünen ein Vorbild für Kassel: Jeder zweite Einwohner Kopenhagens fährt mit dem Fahrrad zur Arbeit. Die Stadt gilt als Vorreiter in Europa.

Der Kasseler Radentscheid wurde von der Stadt zwar aus juristischen Gründen abgelehnt, die Initiative hat aber eine Debatte ins Rollen gebracht. 

Und diese hat sich bei den geplanten Investitionen in den Radverkehr zwischen den rot-grünen Rathauspartnern zu einem Überbietungswettbewerb entwickelt.

Die Koalition arbeitet derzeit im Magistrat hinter verschlossenen Türen an einem Radverkehrskonzept, das laut SPD-Fraktionschef Patrick Hartmann noch vor der Sommerpause vorgestellt werden soll.

Die stellvertretende Fraktionschefin der Grünen, Eva Koch, geht in die Vollen: Sie fordert inklusive Fördermitteln von Land, Bund und EU 45 Euro pro Einwohner und Jahr in den Radwegeausbau zu stecken. Dies wären neun Millionen Euro jährlich.

„Mit 45 Euro pro Einwohner würde sich Kassel europaweit an die Spitze der Bewegung stellen und sogar Kopenhagen bei der Pro-Kopf-Investition abhängen“, sagt Koch. Das Geld sei nötig, so die Grüne, weil es in Kassel einen erheblichen Nachholbedarf gebe.

Drei Millionen Euro werden investiert 

Im laufenden Jahr werden nach Auskunft der Stadt ungefähr 15 Euro pro Einwohner in den Radverkehr investiert – also insgesamt drei Millionen Euro. Nach Informationen aus dem Rathaus werden die Kosten für Radverkehrsprojekte bis zu Zweidritteln durch Förderungen gedeckt. Das heißt, aus der Stadtkasse fließt 2019 nur etwa eine Million Euro.

Im Verkehrsentwicklungsplan 2030 war vorgesehen, den Betrag schrittweise auf 18 Euro pro Einwohner zu erhöhen. Doch nun geht es – getrieben durch die große Unterstützung für den Radentscheid – offenbar alles schneller. Als Rot-Grün seine Magistratsvorlage erarbeitete, war zunächst von 22,50 Euro die Rede. Doch auch das ist offenbar nicht das letzte Wort. So fordert nun der verkehrspolitische Sprecher der SPD, Sascha Gröling, mindestens 25 Euro pro Person und Jahr zu investieren.

Diskussion über Stufenmodell 

Irgendwo zwischen 25 und 45 Euro werden sich SPD und Grüne wohl treffen. „Wir diskutieren derzeit über ein Stufenmodell“, sagt Koch. Dies sei auch insofern sinnvoll, da für einen Ausbau zunächst weitere Stellen für Radverkehrsplaner im Rathaus geschaffen werden müssen. Bis 2020 soll deren Zahl von drei auf sechs verdoppelt werden, hieß es aus dem Magistrat. Die Zahlenspiele der Parteien wecken bei vielen aber auch Zweifel. So weist die Stadt ihre Gesamtinvestitionen in den Radverkehr bislang nicht gesondert aus. Wenn etwa Radwege im Zuge von Straßensanierungen erneuert wurden, hat sie einfach 10 bis 30 Prozent der Kosten dem Radverkehr zugerechnet. Um hier Transparenz zu schaffen, soll der Posten für Radverkehr im Haushalt gesondert ausgewiesen werden. 

Lesen Sie auch: Nach abgelehntem Radentscheid: Kasseler Initiative will klagen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.