Auf dem Bauplatz für das neue Altenheim der Sozialgruppe wurden historische Mauerreste entdeckt

Rätsel um das alte Stadttor

Ortstermin: Gerhard Böttcher, ehemaliger Ortsvorsteher und Kenner des Stadtteils, Gerhard Smolka (Büro Kratzenberg) und Ulrich Schneider von der Firma M + P Ingenieurgesellschaft Hannover (von links) schauen sich die Mauerreste an. Foto: Koch

unterneustadt. Es ist ein spannendes Puzzlestück der Stadtgeschichte: Bei Vorarbeiten für den Neubau des Altenheims am Unterneustädter Kirchplatz wurden historische Mauerreste und ein Gewölbe freigelegt. Noch sind sich die Experten nicht einig, ob es sich dabei um Teile des alten Unterneustädter Tors handelt.

Sicher ist, dass das Tor auf dem Areal gelegen hat. Das zeigen historische Karten. Der Fritzlarer Archäologe Dr. Jürgen Kneipp von der Firma Erdreich will sich aber noch nicht festlegen. Bislang gebe es keinen konkreten Beleg, dass es sich dabei um das alte Tor handelt, sagt er. Der größte Teil der Mauerreste sei neuzeitlich. Die älteren Teile müssten noch eingehend untersucht werden. Das Büro Erdreich ist im Auftrag der Sozialgruppe Kassel tätig, die mit ihrem Altenheim vom Renthof auf den Unterneustädter Kirchplatz ziehen will. Nach Angaben des Archäologen wurden auf dem Areal Scherben aus Mittelalter, Frühneuzeit, Barock und Renaissance gefunden.

Die Funde seien dokumentiert, die Scherben würden wie die Funde beim Bau des Finanzzentrums am Altmarkt später in einer Vitrine des Altenheims präsentiert, sagt Gerald Reißmann, Geschäftsführer der Sozialgruppe Kassel. Die archäologischen Arbeiten auf dem Gelände würden diese Woche abgeschlossen. In der nächsten Woche sollen die Gründungsarbeiten für den 9,3 Mio. Euro teuren Neubau beginnen.

Der ehemalige Ortsvorsteher Gerhard Böttcher befürchtet, dass mit dem schnellen Baustart die Chance vertan wird, Aufschluss über das historische Tor und die Entwicklungsgeschichte der Unterneustadt zu erlangen. Nach Rücksprache mit dem Historiker Christian Presche drängt er darauf, dass auch der hintere Teil des Grundstücks an der Bettenhäuser Straße eingehend untersucht wird. Nach Presches Einschätzung könnten das Torhaus und die vorgelagerte halbrunde Bastion nämlich in dem Areal zwischen Bettenhäuser Straße, Unterneustädter Kirchplatz, Maulbeerplantage und dem Bereich vor dem QVC-Gebäude gelegen haben. Laut Presche ergibt sich auf dem Areal vielleicht die letzte Gelegenheit, die Ausdehnung des mittelalterlichen Stadtgrabens der Unterneustadt festzustellen. Da der frühzeitliche Stadtgraben des 16. Jahrhunderts einen großen Abstand zur mittelalterlichen Stadtmauer hatte, sei anzunehmen, dass die äußere Grabenkante erhalten geblieben ist. Deshalb seien weitere Untersuchungen wünschenswert.

Die Sozialgruppe habe nicht das Geld, das Denkmal freizulegen, sagt Geschäftsführer Reißmann. Deshalb habe man sich auch von den Plänen verabschiedet, es durch eine Glasplatte im Foyer sichtbar zu machen. Es sei auch unklar, ob der spätere Eingang des Altenheims überhaupt mit dem Fundort übereinstimme. „Wir haben das Grundstück als Bauland gekauft“, sagt Reißmann.

Mehr zur Geschichte der Unterneustadt im Regiowiki der HNA unter

http://zu.hna.de/uMPn05

Von Ellen Schwaab

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