Zwei 19-Jährige müssen sich wegen Überfallserie vor dem Kasseler Landgericht verantworten

Der Räuber mit der Eishockeymaske

Kassel. Mit leiser, kaum vernehmlicher Stimme kommt dem jungen Mann sein Geständnis über die Lippen. Seine Zunge stößt dabei leicht gegen die Vorderzähne: Der 19-Jährige, der sich seit gestern wegen dreier Raubüberfälle vor dem Landgericht verantworten muss, lispelt. Wer den Angeklagten so hört, vermag ihn sich nur schwer als furchterregend auszumalen, wie er in einem Getränkemarkt die großen Scheine verlangte. Oder einen Imbissbetreiber überrumpelte: „Das ist ein Überfall – gib die Kohle her!“

Trotz seiner Aussprache war der Mann jedoch erfolgreich. Was wohl weniger an der Überzeugungskraft seiner Worte als an seiner Waffe gelegen hatte: Mit einer echt aussehenden Schreckschusspistole in der Hand und einer weißen Eishockeymaske vor dem Gesicht war der 19-Jährige Ende November 2009 in den Imbiss „Hans Wurst“ an der Wolfhager Straße gestürmt. „Ich habe erst gedacht, das ist ein Aprilscherz, und nicht reagiert“, erinnerte sich der Würstchenbrater vor Gericht. Aber dann habe er den Mann lieber doch in die Kasse greifen lassen. Die Beute: rund 380 Euro.

Zehn Tage später fast das Gleiche in einem Getränkemarkt an der Breitscheidstraße. Und vor Weihnachten schließlich fielen dem Räuber mit der Eishockeymaske in einem Getränkeladen am Mattenberg sogar etwa 2500 Euro in die Hände. All das gab der Angeklagte freimütig zu.

Er habe damals vergessen, seinen Hartz-IV-Antrag rechtzeitig abzugeben, erklärte der 19-Jährige, und deshalb kein Geld mehr gehabt – für sich und seinen Bruder, der bei ihm lebte. „Der Kühlschrank war leer, ich wusste keinen anderen Ausweg“, sagte er. „Ich bin nicht der Typ, der andere um Geld fragt.“ Die Überfälle soll er aber nicht allein, sondern mit einem gleichaltrigen Kumpel begangen haben, der neben ihm auf der Anklagebank sitzt. Und schweigt.

Der mutmaßliche Mittäter soll zweimal Schmiere gestanden haben und einmal einen Getränkeverkäufer, der seiner Kollegin an der Kasse beispringen wollte, mit Fußtritten und drohend erhobener Apfelsaftflasche in Schach gehalten haben. Wenn auch er gestehen würde, mahnt Staatsanwalt Frank Lohr den 19-Jährigen, könnte er sich viel Zeit hinter Gittern ersparen: Nicht dreieinhalb, sondern nur zweieinhalb Jahre Jugendstrafe würde er beantragen, verkündete der Anklagevertreter.

Vorher muss allerdings erst noch die Täterschaft des jungen Mannes bewiesen werden. Was nicht so einfach erscheint. Denn sein geständiger Freund will ihn nicht belasten: „Ich kann nur für mich selber sprechen“, sagte er. Am Mittwoch wird das Urteil erwartet. (jft)

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