Drogenabhängige räumen ein, Studenten mit Spritze bedroht zu haben

Kassel. Wie Junkies, die seit Jahrzehnten Haschisch, Kokain und Heroin konsumieren, wirkten die beiden Angeklagten vor der 1. Strafkammer des Landgerichtes nicht.

Aber trotz des eher harmlosen Aussehens haben beide 35 und 36 Jahre alten Kasseler ein ellenlanges Strafregister und müssen sich seit gestern wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Vor Gericht gaben sie sich reuig und voll geständig, entschuldigten sich sogar bei ihren beiden Opfern, die gestern als Zeugen aussagten. Danach haben sich die Ereignisse am 3. Januar dieses Jahres offenbar so abgespielt: Die beiden heute 20 und 21 Jahre alten Studenten aus Fuldatal und Kassel hatten gefeiert und auch kräftig gebechert und gegen 4 Uhr die Straßenbahn am Königsplatz bestiegen, um Richtung Nordstadt zu fahren.

Zuvor waren sie den beiden Angeklagten aufgefallen, die sich vorher wohl zufällig getroffen hatten. Beide hatten schon den ganzen Tag über Kokain und Heroin konsumiert, brauchten neuen Stoff und befanden die beiden angetrunkenen jungen Männer als günstige Geldquellen.

In der Tram habe er die beiden so angesprochen, sagte der 36-jährige Angeklagte aus: „Jungs, hört zu: Ich bin drogenabhängig und will euer Geld und Handys haben. Die wollten aber nicht so richtig.“

Als die Studenten ihre Wertsachen nicht herausrücken wollten, behauptete der Ältere, er habe eine mit ansteckenden Krankheiten infizierte Spritze dabei. Möglicherweise war auch ein Messer im Spiel, was aber gestern noch nicht eindeutig geklärt werden konnte. Am Halitplatz verließen die beiden Studenten die Tram und liefen davon. Der 20-Jährige verlor dabei seine Geldbörse. Beim Versuch, sie aufzuheben, wurde er von den beiden Angeklagten gestellt, zu Boden gebracht, geschlagen und ausgeraubt. Sein Freund rief derweil die Polizei zu Hilfe, die die beiden Räuber wenige Minuten später festnahm.

Der 36-jährige Beschuldigte ist laut Anklage auch ein fleißiger, wenn auch wenig talentierter Ladendieb. Die Verlesung der 18 Straftaten aus 2014 und 2015 dauerte über eine halbe Stunde. In Kaufhäusern und Galerien oder in den Sozialräumen von Geschäften war er beim Diebstahl von Kleidung, Handys, Laptops, Parfum, Schmuck, Lebensmitteln und sogar einem Auto erwischt worden. Mit dem Erlös aus dem Verkauf des Diebesgutes hatte er seine Sucht finanzieren wollen.

„Sie sehen aber viel besser aus als das letzte Mal“, begrüßte Richter Dreyer den hageren Mann auf der Anklagebank, was der sichtlich erfreut zur Kenntnis nahm. Ebenso wie sein Kumpane sitzt er seit einigen Monaten in der JVA Kassel in Untersuchungshaft.

Weil der 36-Jährige alle Diebstähle gestand, kann auf einige Zeugenaussagen verzichtet werden. Mit einem Urteil der Kammer wird am kommenden Donnerstag gerechnet.

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