Auch Palästinenser hoffen auf schnellen Frieden im Krisengebiet Naher Osten

Raketenalarm in Ramat Gan

Rennen auf der Suche nach Schutz: Wie hier im 30 Kilometer entfernten Ashod, gibt es auch in Ramat Gan täglich Raketenalarm. Foto: afp

Kassel/Ramat Gan. So hatten sich Moshe Meron und seine Frau Ahuwah ihren 65. Hochzeitstag nicht vorgestellt. Obwohl es mehrmals am Tag „Roten Alarm“ gibt und die Menschen in die Schutzräume stürmen, „bemühen wir uns, das Leben möglichst normal zu gestalten, was nicht einfach ist“, sagte der ehemalige Bürgermeister von Kassels israelischer Partnerstadt Ramat Gan.

Der Verkehr in den Straßen Ramat Gans, das nur rund 60 Kilometer vom Gazastreifen entfernt ist, sei wesentlich geringer, so gebe es zurzeit mal keine ständigen Staus, schildert Meron, der vier Jahre lang auch Mitglied und Sprecher der Knesset (Parlament) in Jerusalem war: „Im Fernsehen konnte man am Abend sehen, wie eine Rakete von dem Abwehrsystem ,Eisenkuppel‘ abgefangen wurde. Allerdings flogen die Splitter durch die Gegend, was äußerst gefährlich ist.“ Andererseits sei dieses Abwehrsystem ein Segen. Meron: „Unvorstellbar, was schon alles geschehen wäre, wenn es diese Erfindung nicht gäbe. Wir hoffen, dass dieser ganze Spuk in einer Woche ein Ende hat, und wieder Normalität bei uns eintritt.“

Oelsen, der erst im März Tel Aviv und Ramat Gan besucht hatte, hofft das ebenso inständig. Der größte Wunsch der Menschen sei es, dass ihre Kinder in Sicherheit aufwachsen können. „Wir wünschen unseren Freunden viel Glück und dass die Verantwortlichen auf beiden Seiten endlich zur Vernunft kommen“, sagt er. Dabei denkt er auch an seine Freunde Ilse und Bumi Lazar in Tel Aviv, beide über 90 Jahre alt, und deren Sohn in Kassel lebt. Sie schilderten die Situation so: „Gestern und heute Morgen hatten wir Raketenalarm in Tel Aviv. Danach ein paar Bumse, da weiß man nicht, ob die Bombe fiel oder vom Abwehrsystem vernichtet wurde. Wir hoffen, dass es bald ein Ende – ein gutes – gibt und nicht mehr unschuldige Opfer.“

Schmerzhafte Gefühle durchlebt zurzeit auch Dana Al Najem. Die Palästinenserin, Inhaberin des Café Buch-Oase an der Germaniastraße, ist wütend, verzweifelt. Sie fühle sich ohnmächtig, sagt sie. „Wir haben immer auf Frieden gehofft. Jetzt sind nur noch Zweifel und Traurigkeit übrig geblieben.“ Ihre Gedanken seien bei ihren Freunden und Verwandten in Jerusalem.

Dr. Muneer Deeb, ehemals Chirurg am Klinikum Kassel und jetzt Chefarzt der Ammerland-Klinik bei Oldenburg, leidet in Gedanken nicht nur mit seiner großen Familie in Gaza, sondern bei allen Menschen, die wie zuletzt bei Stromausfällen, nachts, Bombardements ertragen mussten. „In Gaza gibt es keine Bunker für die Bevölkerung, sie sind verboten.“ Deeb ist einer von 200 Mitgliedern des deutsch-palästinensischen Ärzteforums, das humanitäre Hilfe auch vor Ort leistet. Vor allem Medikamente gingen aus. Heute starte ein Ärzteteam über Ägypten in Richtung Gaza, sagt Deeb.

Von Christina Hein und Martina Heise-Thonicke

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