Ramsauer über Stadtschleuse: Können keine Freizeitkapitäne finanzieren

Kassel. Verkehrsminister Peter Ramsauer macht Kassels Wassersportlern kaum Hoffnung: Er habe schon zu wenig Geld für den notwenigen Ausbau der wichtigen Wasserstraßen in Deutschland, sagte der CSU-Politiker am Donnerstag während der Konferenz der Verkehrsminister von Bund und Ländern in Kassel.

Archiv-Video: So funktioniert die Schleuse

Sündteure Flussausbauten für Ausflugsdampfer und Sportboote von Freizeitkapitänen könne er nicht finanzieren, sagte Ramsauer.

Instandhaltung werde es in seinem Zuständigkeitsbereich weiter geben, sagte er ohne diese Aussage zu konkretisieren. Und außerdem könnten ja auch die Länder

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Flussstrecken übernehmen - da habe sich aber noch niemand gemeldet.

Freizeitkapitäne und Wassersportler hatten gegen die für 2016 angedrohte Schließung protestiert. Es wird auch befürchtet, dass der flussaufwärts gelegene Teil der Fulda teilweise versanden könnte, weil das Baggerschiff des Wasser- und Schiffahrtsamtes nach der Sperrung der Schleuse diesen Teil nicht mehr befahren kann, um Schlamm und Treibgut auszubaggern. Das Verkehrsministerium hatte kürzlich mitgeteilt, die Sanierung der Kasseler Schleuse koste sechs Millionen Euro - dieses Geld habe man nicht.

So funktioniert die Schleuse

So funktioniert die Kasseler Schleuse

So funktioniert die Kasseler Schleuse
Das mögliche Ende der Kasseler Schleuse im Jahr 2016 hat für große Aufregung gesorgt. © Koch/HNA
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Die dramatischen Konsequenzen haben viele überrascht - und manch einer mag sich fragen: Wie funktioniert eine Schleuse? Wozu ist sie überhaupt da? © Koch/HNA
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Eine Schleuse ist dazu da, damit ein für die Schifffahrt aufgestauter Fluss von Booten befahren werden kann. © Koch/HNA
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Ohne Staustufen würde sich die Fulda durch das große Gefälle von der Quelle bis zur Weser in einen ziemlich reißenden Fluss verwandeln. Um den Fluss zu verlangsamen und schiffbar zu machen, wurden Staustufen gebaut. © Koch/HNA
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Die können Schiffe aber nur durch Schleusen passieren, die den Höhenunterschied überwinden. © Koch/HNA
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Das funktioniert so: Nehmen wir an, wir fahren mit einem Boot von Kassel nach Hann. Münden. Die Kasseler Schleuse ist mit Wasser gefüllt. © Koch/HNA
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Das Tor ist offen, die Ampel vor der Schleusenkammer steht auf Grün - wir dürfen also einfahren. © Koch/HNA
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Ist das Boot in der Schleuse festgemacht, schließt der Schleusenwärter das Tor, durch das wir eingefahren sind. Das Tor am anderen Ende ist zu. © Koch/HNA
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Dann beginnt der Schleusenwärter das Wasser in der Schleuse abzulassen - schließlich müssen wir auf das Wasserniveau kommen, das vor der Schleuse Richtung Hann. Münden herrscht. © Koch/HNA
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Der Schleusenwärter setzt per Knopfdruck also einen Elektromotor in Gang, der sogenannte Schütze oder Schieber öffnet. © Koch/HNA
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Das Wasser aus der Schleuse strömt durch Öffnung hinaus, wir schweben sozusagen mit unserem Boot auf dem Wasser in die Tiefe. © Koch/HNA
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Hat das Wasser in der Schleuse das Höhenniveau des Wassers der Fulda Richtung Münden erreicht, öffnet der Schleusenwärter wieder per Knopfdruck das Tor. © Koch/HNA
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Wir können hinaus. In umgekehrter Richtung funktioniert es ähnlich. © Koch/HNA
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Genau 2,80 Meter Höhenunterschied werden so durch die Kasseler Schleuse überwunden. Weiter flussabwärts in Wahnhausen sind es über acht Meter. © Koch/HNA
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Eine Schleusung dauert in Kassel etwa zehn Minuten. © Koch/HNA
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Wie rege die Schleuse benutzt wird, zeigen Zahlen aus dem letzten Jahr: Bei 3378 Schleusungen wurden 5079 Kleinboote gezählt, die die Schleuse passierten. Dazu kamen 800 Fahrten der Ausflugsdampfer. © Koch/HNA
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Freizeitkapitäne müssen dabei immer die Berufsschifffahrt, also die Ausflugsdampfer, vorlassen. © Koch/HNA

Die knappen Mittel zur Unterhaltung der Wasserstraßen müssten konzentriert werden, daran ließ der Bundesverkehrsminister keine Zweifel. Von insgesamt 7300 Schiffskilometern werde auf 2100 Kilometern praktisch keine Fracht bewegt. Der Investitionsbedarf etwa an Schleusen des Rheins oder am Nordostseekanal, beide von Frachtern extrem befahren, sei hingegen riesig.

Was wird aus Mündener Amt?

Die 190 Beschäftigten des Wasser- und Schifffahrtsamtes in Hann. Münden haben noch ganz andere Sorgen als die Kasseler Schleuse - die Zukunft der Behörde, die auch die Fulda in Kassel betreut, steht in den Sternen. Zur Neuklassifizierung der Bundeswasserstraßen und zur Reform der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung soll ein Bund-/Länderbericht im Mai vorgelegt werden.

Schließt Ramsauer auf Ämterebene, sprich in Hann. Münden, Schließungen und Kündigungen aus? Etwas ausschließen, so der CSU-Politker auf HNA-Nachfrage, das mache er prinzipiell nie: „Sie können ja auch nicht ausschließen, gleich auf der Treppe zu stolpern!“ Wo geschnitten wird, wie stark und nach welchen Vorgaben, verriet gestern in Kassel keiner der Minister. Noch ist nicht klar, welche Rolle außer der Frachttonnage andere Kriterien spielen werden - die touristische Nutzung zum Beispiel oder Projektgüter, also großvolumige und überschwere Spezialtranporte, wie sie die Maschinenbaufirma Richter aus Hess. Lichtenau über die Weser bewegt.

Von Wolfgang Riek und Helmut Krischmann

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