"Rasenretter" im Interview: Grünflächen brauchen Unterstützung

Rasen wird nicht automatisch wieder grün - Was jetzt zu tun ist

+
Gleicht einer Steppe: Der Rasen auf dem Friedrichsplatz hat bereits im vergangenen Jahr durch die documenta stark gelitten, jetzt ist er an vielen Stellen braun. 

Kassel. Der Supersommer in diesem Jahr hat viele tolle Tage beschert, in denen man viel Zeit im Garten verbracht hat. Trotzdem herrscht bei den meisten Gärtnern Ernüchterung.

Frank Rohde, Betreiber von Samen Rohde, nennt sich selbst „Rasenretter“. Im Interview beantwortet er, warum der Rasen nicht automatisch wieder grün wird – zumindest nicht ohne Fürsorge.

Herr Rohde, sie sind der Rasenretter, können Sie sich nach diesem Sommer vor Aufträgen noch retten?

Frank Rohde: Wir aufgrund der Dürre natürlich viel zu tun, aber das ist kein Problem. Es ist schön, wenn einem dann Fotos geschickt werden, auf denen man sieht, dass die Tipps gewirkt haben.

Für Gärtner ist das einzig Positive an diesem Sommer, dass man keinen Rasen mähen musste, oder?

Rohde: Ja, Rasenmähen ist lange her (lacht) – das stimmt. Für den Rasenmäher waren die vergangenen Monate eine super Schonzeit, für den Rasen und den Rest des Gartens allerdings purer Stress. Das Wasser hat gefehlt, so dass sich viele Pflanzen zurückgezogen haben. Bäume sehen aus wie im Herbst. Sträucher und Stauden sind vertrocknet, der Rasen ist gelb geworden – so stellen sich im Moment viele Gärten dar.

Gibt es Erfahrungen aus den vergangenen Jahren?

Rohde: Nein, es gab zwar heiße Tage, aber es gibt bislang nichts, was mit diesem Jahrhundertsommer, in dem es von April bis August fast nie geregnet hat, vergleichbar wäre. Deshalb müssen wir da jetzt erst mal unsere Erfahrungen machen. Rasen ist relativ hartnäckig, was Trockenheit angeht. Ich gehe davon aus, dass ein Teil des Rasens mit der richtigen Pflege gut wiederkommen wird, aber dabei eben Unterstützung benötigt. Teilflächen werden aber auch so vertrocknet sein, dass sie abgestorben sind.

Hätte man dem Problem vorbeugen können?

Rohde:Bei Trockenheit ist es hilfreich, den Rasen nicht zu kurz zu mähen, da er dann die Feuchtigkeit und Nährstoffe besser speichern kann. Man muss sich den Rasenschnitt vorstellen, der mit jedem Schnitt entnommen wird. Die Energie, die dort drin steckt, kommt aus dem Boden. Wenn das Reservoir im Boden irgendwann leer ist, dann fängt der Rasen an zu leiden, wird schwach und damit anfällig für Krankheiten. Auch gegen Witterungsumstände kann er sich nicht mehr optimal durchsetzen. Zudem wird die Fläche von Unkraut und Moos befallen. Gut gedüngter Boden ist dagegen besser gewappnet.

Haben also Unkräuter vom Supersommer profitiert?

Rohde: Nein. Das Unkraut ist genauso wenig gewachsen – ein Vorteil der Trockenheit. Viele Unkräuter sind gut angepasst, aber sind trotzdem sehr klein geblieben – zum Beispiel Klee. Unkräuter, die Wasser aus unteren Erdschichten ziehen können wie Disteln und Löwenzahn, die sind jetzt noch grün. Die meisten Unkräuter warten, wie der Rasen auf Regen.

Sieht man den Unterschied an Stellen, wo der Rasen gewässert wurde und wo nicht?

Rohde: Wenn der Rasen regelmäßig gewässert wurde, wird er in der Regel nicht braun. Aber in diesem Sommer war das nicht möglich. In Kassel zeigt sich das beispielsweise ganz gut an dem Rasengleis auf der Wilhelmshöher Allee. Im unteren Teil, wo das Bewässerungssystem eingebaut worden ist, ist die Fläche nicht ganz so braun wie im oberen Teil – von grün kann man aber auch hier nicht mehr sprechen.

Die Goetheanlage gleicht im Moment einer Steppe. Würde sie in Afrika liegen, würde es jetzt einmal regnen und alles wäre wieder grün.

Rohde: In der Regenzeit in Afrika ist es so, dass es meistens viele Tage am Stück regnet und die ganze Fläche unter Wasser steht. Das sorgt dafür, dass die Natur explodiert – alles wird mit einem Mal grün und fängt an zu blühen.

Bei uns funktioniert das nicht?

Rohde: Die Pflanzen in Afrika sind an das dortige Klima angepasst. Bei uns ist das im Prinzip nicht nötig, denn eigentlich regnet es immer mal. So einen Sommer wie diesen gibt es eigentlich nur einmal im Jahrhundert.

Rasen ist in Not: Mit diesen Tipps wird das braune Gras wieder grün

Gibt es denn auch Grassorten, die besser an den Klimawandel angepasst sind?

Rohde: Es gibt Sorten, die schon in einigen südlichen Ländern angepflanzt werden, aber die sind grobblätteriger als der Rasen, den wir hier schön finden. Der Vorteil dieser Sorten ist, dass sie sehr tief wurzeln, so können sie von unten Wasser ziehen. Der Nachteil ist allerdings, dass sich einige dieser Sorten über den Winter zurückbilden, was nicht schön aussieht. Deshalb sind diese Sorten noch keine wirkliche Alternative.

Wieso wurzelt unser Rasen meistens nur an der Oberfläche – beispielsweise in Gärten oder auf Fußballplätzen?

Rohde:Das liegt oftmals am Gießverhalten. Wenn nur oberflächlich gewässert wird, dann bleiben die Wurzeln auch nur in den oberen Erdschichten. Werden auch die tieferen Schichten mitgegossen, dann verwurzelt der Rasen eben auch dort und bildet lange Zugwurzeln. Wenn man das hinbekommt, dann hat man es geschafft, dass der Rasen auch trockenere Sommer übersteht.

Muss ich also zwingend was tun, um im nächsten Jahr wieder eine grüne Fläche zu haben?

Rohde: Da gibt es zwei Möglichkeiten: Wenn der Rasen schon abgestorben war, dann bleibt er braun. Ist eine Regeneration noch möglich, dann wird der Rasen wieder grün, sobald genug Wasser da ist. Unbedingt sollte das abgestorbene Material entfernt werden. Dabei hilft ein Vertikutierer oder ein Rechen. Die toten Stellen müssen dann nachgesät werden.

Muss man dabei etwas beachten?

Rohde: Ja, man sollte eine Rasenmischung auswählen, die für den Standort passend ist. Rasen ist nicht gleich Rasen. Es gibt viele verschiedene Sorten. Die eine ist für sonnige Flächen ausgelegt, die andere für Schatten oder trockene Lagen. Wieder andere sind besonders strapazierfähig.

Sie sehen auf den ersten Blick, was dem Rasen fehlt?

Rohde: Genau, man sollte einen spatentiefen Quader mitbringen, wenn man zu uns kommt – die Bodenberatungstage bieten sich dafür an. Dann können wir uns den Rasen ansehen. Da kann man dann schon sehen, ob die Wurzeln noch intakt oder schon abgestorben sind. Außerdem können wir individuelle Tipps geben, was der Kunde ja nach Bodenbeschaffenheit und Zustand für seinen Rasen tun kann.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.