Rasender Reporter fuhr auf dem Moped

HNA-Leserin Inge Füllgraf (81) wuchs mit der Kasseler Post auf

Teilen sich täglich die Zeitung: Inge und Walter Füllgraf aus Niederzwehren lesen die HNA immer komplett. Foto:  Pflüger-Scherb

Kassel. Der Tag beginnt für Inge Füllgraf immer gleich: Jeden Morgen gibt es eine Tasse Kaffee und die HNA. Die teilt sich die 81-Jährige immer mit ihrem Mann Walter (82). Beide lesen die Zeitung aber stets komplett. Und das seit vielen Jahrzehnten.

Inge Füllgraf ist mit der Zeitung groß geworden. Ihr Großvater Emil Bub war als Kraftfahrer bei der Kasseler Post angestellt. Er lieferte die Zeitung zum Bahnhof oder auf die Dörfer. Zudem kümmerte er sich um den Fuhrpark des Verlags. Emil Bub und seine Frau Wilhelmine lebten im Gartenhaus des Verlags an der Friedrichsstraße (heute Postillon). Dort wurden sie oft von ihrer Enkeltochter besucht. Inge Füllgraf erzählt, wie sie im Garten gespielt hat. In einer Parterrewohnung am Brüder-Grimm-Platz 1 wohnte auch Reporter Lometsch, der immer Knickerbockerhosen und eine Motorradmütze aus Leder trug. Da Lometsch stets auf einem Leichtkraftmotorrad unterwegs war, nannten ihn die Kinder nur den „rasenden Reporter“.

Apropos Kinder - manchmal spielte Inge auch mit den Söhnen des Verlegers, der mit seiner Familie in einer Wohnung im ersten Stock lebte. „Die kamen aber nicht so oft zu uns, weil sie ja ein bisschen feinere Leute waren“, erzählt die 81-Jährige, die mit ihrem Mann heute in Niederzwehren zu Hause ist.

Davon abgesehen war bei der Kasseler Post damals alles sehr familiär. Das Ehepaar Kälb, das für die Buchhaltung zuständig war, brachte jeden Morgen seinen Hund Mohrchen mit und gab ihn bei Inges Großmutter ab.

Während des Zweiten Weltkriegs übernachtete Inge mit ihren Eltern oft bei den Großeltern - wegen der Nähe zum Weinbergbunker. Bei einem Angriff wurde das Gartenhaus der Kasseler Post zerstört.

Im Garten des Verlags: Inge (rechts) spielt mit einer Freundin. Links ist das Leichtkraftmotorrad des rasenden Reportes Lometsch geparkt. Fotos:  privat (nh)

Die Großeltern zogen deshalb nach dem Krieg in eine Wohnung des Verlags direkt an der Friedrichsstraße. Damals begann auch Inges Vater bei der Kasseler Post: Wilhelm Menzel (1902 bis 1974) war Dienstbote mit kaufmännischer Ausbildung. Er erledigte Wege zu Post und Bank und chauffierte die Vorgesetzten.

In die Dachwohnung ihrer Großeltern nahm Inge auch ihren Mann Walter mit. „Dort hat abends immer das ganze Haus gerumst“, sagt Walter Füllgraf. Wegen der Maschinen in der Druckerei.

Die Füllgrafs bekamen vier Kinder (drei Töchter und einen Sohn), zwölf Enkel und haben mittlerweile auch vier Urenkel. Während Walter Füllgraf als Kundendienstmonteur für Henschel weltweit unterwegs war, übernahm seine Frau die Erziehung der Kinder und arbeitete in einer Bäckerei als Verkäuferin. Trotz der vielen Aufgaben las sie aber immer die Zeitung.

Tochter in Kalifornien

Darauf verzichtet das Paar auch nicht, wenn es heutzutage seine jüngste Tochter Kerstin in Kalifornien besucht. Für die 49-Jährige sei es nämlich selbstverständlich, die HNA im Internet zu lesen, erzählen die Füllgrafs.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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