Zahlen für Jahr 2016

Vergehen im Straßenverkehr bringen Hessen 57,6 Millionen Euro ein

Kassel. Knapp 57,6 Mio. Euro sind 2016 aus der Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten im Straßenverkehr in den hessischen Landeshaushalt geflossen.

Im Vorjahr waren es noch 60,8 Mio. Euro. In fast zwei von drei Fällen (60 Prozent) zahlten Autofahrer für überschrittene Tempolimits, so die Bilanz der Zentralen Bußgeldstelle (ZBH) beim Regierungspräsidium Kassel.

Die Behörde bearbeitet hessenweit – bis auf Frankfurt – Verstöße mit Bußgeld ab 60 Euro und Fälle erfolgloser Verwarnungen aus Kommunen.

Weniger Blitzerfotos durch Bauarbeiten

Die Gesamtzahl der Anzeigen lag mit 1,08 Millionen um gut 92.000 unter dem Wert von 2015. Das führt die ZBH vor allem auf Bauarbeiten an Autobahnen zurück. Am Darmstädter Kreuz (A5/A67), am Elzer Berg (A3 nahe Limburg) und an der Bergshäuser Brücke der A44 seien wegen Fahrbahnsanierungen Tempo-Messstationen außer Betrieb gewesen. Sprich: Weniger Blitzerfotos, weniger Anzeigen.

Welche Vergehen wie viel kosten und was man tun kann, wenn man geblitzt wurde, erklärt die ZBH hier.

Am Elzer Berg, einer acht Kilometer langen Gefällstrecke, liegt laut ZBH auch der in Hessen gemessene Raserrekord: 235 Stundenkilometer in einer Tempo-100-Zone.

Insgesamt erließ die Bußgeldstelle 2016 genau 443.825 Bußgeldbescheide. Gut 30.000 davon kosteten nicht nur, sondern waren mit Fahrverboten verbunden. Mit 17.400 einen noch kleinen, aber prozentual steigenden Anteil der Verkehrsverstöße machen verbotene Handy-Telefonate am Steuer aus.

Über 17.000 Verfahren wegen Handys

Mit 206 Stundenkilometern durch die Tempo-120-Zone auf der A7 nahe Kassel, nebenher telefoniert und eine Zivilstreife der Polizei überholt: So viel Einfalt eines Audi-Fahrers Anfang März dürfte teuer werden. Rasen kostet, das Telefonieren auch.

Illegale Handygespräche hinterm Steuer brachten der Zentralen Bußgeldstelle (ZBH) hessenweit 17.402 Verfahren auf den Tisch. Das waren 1,53 Prozent alle Fälle, Anteil steigend. Knapp 15.500 Handy-Sünder waren im Pkw unterwegs, gut 1550 im Lkw. 154 Radfahrer ließen sich mit Handy in der Hand erwischen, sogar 64 Busfahrer und die Piloten von vier Gefahrgut-Transportern.

Handy am Steuer: Das soll statt 60 Euro bald 100 Euro kosten.

Telefonieren beim Fahren lenkt ab, auch per Freisprechanlage. Hantieren hinterm Steuer mit Handy, Smartphone, Tablet oder Navi sehen Studien als stark zunehmende Unfallursache. Auch wenn konkrete Zahlen fehlen, sagt Gert K. Schleichert vom Autoclub Europa (ACE): „Smartphones haben sich zu einem echten Killer im Straßenverkehr entwickelt.“ Die Beweisführung im Alltag ist schwierig: Bei der Bilanzpressekonferenz der ZBH wurde gestern der Fall eines Mannes erwähnt, der bis vor Gericht steif und fest behauptete, kein Handy am Ohr gehabt zu haben, sondern einen Rasierapparat.

Das alte Handyverbot der Straßenverkehrsordnung (StVO) von 2001 gilt zudem als völlig überholt: Es verbietet Mobil- oder Autotelefon beim Fahren, wenn es zum Sprechen in der Hand gehalten wird. Tablets, E-Book-Reader, SMS-Tippen oder Surfen kommen in der StVO nicht vor.

Bußgeld wird teurer

Im Bundesverkehrsministerium liegt ein Gesetzentwurf, der das ändern soll. Jetzt geht es nicht mehr ums Halten, sondern unerlaubtes Nutzen solcher Geräte während der Autofahrt. Das soll dann 100 statt 60 Euro kosten, bei schweren Verstößen bis zu 200 Euro plus Fahrverbot. Radfahrer sollen statt 25 Euro dann 55 Euro zahlen. CSU-Verkehrsminister Alexander Dobrindt: „Ablenkung ist eines der größten Unfallrisiken, das vermeidbar und unnötig ist. Wir ändern Verkehrsregeln und Strafen so, dass sie auf der Höhe der Zeit sind, neuere technische Entwicklungen berücksichtigen.“ 

Der Präsident des Verkehrsgerichtstages, Kay Nehm, wird noch deutlicher: „Grundsätzlich sollte die Nutzung sämtlicher Geräte während der Fahrt verboten werden, die nicht unbedingt zum Betrieb eines Kraftfahrzeugs erforderlich sind.“

Hintergrund: Strafen in Italien und England

Telefonieren mit dem Handy ohne Freisprechanlage kann für Autofahrer inItalien seit 1. Januar 2017 Geldbußen von 161 bis 646 Euro kosten. Und Führerscheinentzug schon beim ersten Mal, meldet der ADAC. • AuchEngland verschärft die Gesetze und kommt seit neuestem mit Schockvideo in die Kinos: Bilder aus einem Lkw, der Fahrer tippt auf seinem Smartphone herum, sucht nach Musik, sieben Sekunden lang. Sieben Sekunden zu lang: Der Lkw rast ungebremst in ein Stauende und schiebt stehende Autos zu einem Blechhaufen zusammen. Eine Mutter und drei Kinder sterben.

Rubriklistenbild: © dpa

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