Raser reden sich gern raus - Märchenstunde für die Polizei

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Rasern auf der Spur: Polizeioberkommissar Jörg Kleinschmidt (links) bei seiner Arbeit auf der Autobahn.

Kassel. Märchenstunde auf der Autobahn: Wenn Jörg Kleinschmidt von der Baunataler Autobahnpolizei seine Kontrollfahrten macht, hört er oft die unglaublichsten Geschichten.

In seinen 21 Jahren als Autobahnpolizist haben ihm Verkehrssünder so manche kuriose Rechtfertigungen und Märchen aufgetischt.

An viele Anekdoten erinnert sich Kleinschmidt:

• Ein rasant fahrender Bundeswehrsoldat, den der Autobahnpolizist gestoppt hatte, erzählte, dass er die ganze Woche von seiner Freundin getrennt gewesen sei. Nun habe er es eilig, weil er zu Hause etwas Dringendes zu erledigen hätte. Es blieb der Fantasie des Polizisten überlassen, was dies sein konnte.

• Ein Geschäftsmann aus Wiesbaden, den Kleinschmidt auf der A 7 zwischen Kassel und Guxhagen stoppte, erklärte seine temporeiche Fahrt mit der Topografie. „Ich war nur zu schnell, weil es hier bergab ging.“

• Ein anderer Raser behauptete, er habe vergessen, seinen zu hoch eingestellten Tempomat auszuschalten.

• Auf sein Blasenleiden schob ein Temposünder die Schuld, der von Göttingen aus kommend auf der A 7 fuhr. Der Autobahnpolizist verfolgte den Bleifuß und konnte ihn bei Guxhagen stellen. Als sich der Mann mit seinem unkontrollierten Harndrang aus der Affäre ziehen wollte, klärte ihn Kleinschmidt auf, dass er an zwei Rastplätzen mit Toiletten vorbeigerast sei.

• Auch die Ausrede eines Schrotthändlers, der seine geladenen Waschmaschinen und Fahrräder nicht ordentlich gesichert hatte, entlockte dem Ordnungshüter nicht mehr als ein Schmunzeln. Der Händler tobte auf der Autobahn: „Meine Kunden laden mir den Scheiß auf und ich muss es jetzt ausbaden.“

• Eine ehrliche Haut war ein Motorradfahrer, den Kleinschmidt am Sandershäuser Berg mit Tempo 230 erwischte. Erlaubt sind dort 120 km/h. Nach einer Verfolgung, bei der er den Mann auf der 180-PS-Maschine immer mal wieder aus den Augen verlor, konnte er ihn irgendwann stoppen. Als er den Fahrer aufklärte, wie schnell er gefahren sei, wunderte sich dieser. Sein Tacho am Motorrad habe sogar bis zu 300 km/h angezeigt. „Der Fahrer hatte Glück, dass ich bei seinem Tempo mit meinem Videofahrzeug nicht immer dranbleiben konnte“, sagt Kleinschmidt.

• Schon mehrfach wollten Verkehrssünder den Polizisten dadurch besänftigen, indem sie ihn zu einer Tasse Kaffee nach Hause einluden. „So etwas nehme ich natürlich nicht an“, sagt der Polizist.

• Eine Frau, die zu schnell unterwegs war, wollte sich von Kleinschmidt erst gar nicht anhalten lassen. Als sich der Polizist mit seinem Wagen hinter sie heftete, zeigte sie sich weder von der Anzeige „Stopp Polizei“ noch von Einsatzhorn und Blaulicht beeindruckt. Als er sie nach einer ganzen Weile endlich stoppen konnte, entschuldigte sich die Frau: „Ich habe zu laut Radio gehört und nichts gemerkt.“

Von Bastian Ludwig

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