Messehallen Kassel

Gestriegelt und gebürstet: Rassehunde locken Tausende Besucher an

Kassel. Mehrere Tausend Hunde stellten sich am Wochenende in den Kasseler Messehallen dem kritischen Blick der Zuchtrichter: Bei der Rassehunde-Ausstellung wurden am Samstag und Sonntag die schönsten Tiere 252 verschiedener Rassen gekürt.

Ausgerechnet am großen Tag muss Nnaika wegen einer Verletzung am Hinterlauf zum Tierarzt. Die einjährige Rhodesian-Ridgeback-Hündin hat sich an Maisstoppeln den Hinterlauf aufgeschlitzt. Also kommt Nnaika mit Verband zur Rassehundeschau, bei der sie mit ihrem Frauchen Anna Kaiser (13) aus Lohfelden erstmals antreten soll.

Trotzdem bleibt die Rassehündin, deren Vorfahren aus dem südlichen Afrika stammen und unter anderem zur Löwenjagd eingesetzt wurden, gelassen im Trubel der Zwei- und Vierbeiner bei der Rassehunde-Ausstellung. Die Messehallen durchzieht der Geruch von Hundefell. Überall um die Ringe, in denen Zuchtrichter die Hunde der 252 verschiedenen Rassen begutachten, haben sich die Teilnehmer mit ihren Tieren niedergelassen. Neben dem Plätzchen, das Anna Kaiser und ihre Mutter Claudia für Nnaika eingerichtet haben, geht es zu wie im Frisörsalon. Shih-Tzu-Hündin Kimberley, Landesjugendsiegerin in Baden-Württemberg, wird von Martina und Jürgen Lembke aus Lahr im Schwarzwald zurechtgemacht.

Erst ein paar Spritzer Conditioner ins hellbraun-weiße Hundefell, nach dem Bürsten kommt ein rotes Schleifchen auf den Kopf, das Ganze wird mit Haarspray fixiert. Kimberley streckt beim Styling ihr wuscheliges Köpfchen dem Frauchen entgegen und schließt die Augen, als ob sie es genießen würde. Das eifrige Striegeln und Bürsten der anderen Hundehalter macht Claudia Kaiser unterdessen ein wenig nervös. „Wir haben gar nichts dabei“, sagt sie und wischt die Bedenken im nächsten Moment weg: „Unser Hund ist von Natur aus schön, da muss nichts mehr gekämmt werden.“ Über die kurzen Haare von Rhodesian Ridgebacks müsse man ohnehin nur ab und zu mit einem Mikrofasertuch drübergehen. Mit dem Fell hat es bei den Rhodesian Ridgebacks eine Besonderheit: Auf dem Rücken der Hunde verläuft eine Art Kamm (englisch: ridge), auf dem die Haare in entgegengesetzter Richtung wachsen. Was Nnaika sonst noch auszeichnet, kann die 13-jährige Anna sofort aufzählen: Sie habe eine ruhige, gelassene Art und sei sehr lernfähig.

„In der Hundeschule sind wir aus der Einsteiger-Gruppe wieder rausgegangen, weil sie unterfordert war.“ Auch gezielt für die Ausstellung hat Anna mit Nnaika trainiert: dass sie richtig läuft, in einem leichten Trab, und dass sie sich von den anderen Hunden der Schau nicht ablenken lässt. Während Letzteres prima klappt, ist das Laufen zumindest am Wochenende ein Problem.

Weil Nnaika wegen ihrer Verletzung leicht lahmt, schließen die Richter sie kurzfristig von der Wertung aus. Für ihren Stand gibt es aber trotzdem Lob von den Experten und ein V für vorzüglich. Deshalb ist Anna auch nicht enttäuscht, sondern angespornt. Nächstes Jahr will sie mit Nnaika wieder antreten. Austoben auf dem Stoppelfeld ist dann kurz vorher wohl tabu.

Von Katja Rudolph

Fotostrecke: Rassehunde-Ausstellung in den Messehallen

Rassehunde-Ausstellung in den Messehallen

Rubriklistenbild: © HNA/Fischer

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