Kommunalpolitiker nahmen sich bei der närrischen Stadtverordnetensitzung selbst auf die Schippe

Das Rathaus als Kindergarten

Hoch das Bein: Die Garde des TSC Herkules und weitere Aktive der Vereine der Gemeinschaft Kasseler Karneval (GKK) bestritten das Rahmenprogramm.

Kassel. Voriges Jahr hat es Karl Schöberl von den Grünen mit einem umstrittenen lautstarken Auftritt offenbart: Das Rathaus ist eine Schlangengrube. Bei der närrischen Stadtverordnetensitzung am Sonntag im Bürgersaal gingen die politischen Büttenredner weit nachsichtiger mit ihren Stavo-Kollegen um.

Kein Hauen und Stechen, sondern eher ein Streiten um Sandkasten-Förmchen finde man dort, sagte Jutta Schwalm (CDU). Sie stand als Kita-Leiterin der „Ü-30-Betreuungsgruppe“ im Rathaus in der Bütt. Solche Sandkastenspiele betrieben gern „der kleine Kai (Böddinghaus, Die Linke) und Sozialdezernent Dr. Jürgen Barthel (SPD). Doch auch ein Fraktionskollege von Schwalm, Stefan K. (Kortmann) bekam sein Fett ab. Der sei – was Temposünder betrifft – ein Freund von Bürgermeister Jürgen Kaiser (SPD). „Er haut gern mächtig auf die Kacke, mit seiner kleinen Blitzermacke.“

SPD-Stavo-Frau Esther Kalveram bekannte in der Bütt: „Der Durchschnittsbürger, der ich bin, passt einfach nirgendwo so richtig hin“. Sie trat als gescheiterte Landtagskandidatin auf, die im Kasseler Rathaus Anschluss für eine Karriere sucht. Vergeblich, wie sie bekannte. Für die SPD sei alles in Kassel so wunderbar, dass es für Kritik keine Chance gebe. Die CDU mache nur Opposition „zugespitzt ...in scharfem Ton“. Grüne seien nur scharf aufs Regieren.

„Hört auf euch zu benehmen wie Pennäler. Sonst lass’ ich’s donnern und Blitze zucken“, rief Stadtrat Hendrik Jordan (SPD) aus der Bütt. Als „Magistratsnarr“ und „Weser-Tor“ (Jordan kommt aus dem Stadtteil) nahm er Stadtrat Christof Nolda aufs Korn: „Zum Glück hat der Verkehrslärm bald ein Ende, der grüne Stadtbaurat verspricht die Mobilitätswende ... Dieser Nolda ist ein Querdenker und will, dass VW produziert künftig nur Fahrradlenker“.

Eigentlich sei ja die Rathaus-Welt in Ordnung, meinte Stadtverordnetenvorsteherin Petra Friedrich. Nur „die Gazetten landauf, landab halten Nordhessen mit Kritik auf Trab.“ Verkleidet als Höfling, lobte Peter Ley, Chef der städtischen Wohnungsgesellschaft GWG, Sparkassenchef Ingo Buchholz, neuer Träger des Ordens „In joco veritas“. Der sei „ein Hannoveraner, ein Hengst, ganz wild, unser Sparkassenfinanztycoon“. Darauf sagte Buchholz grinsend: „Ich habe mich kaum erkannt, es lag wohl an der Übertreibung.“

Von Peter Dilling

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