Rathaus-Sturm in Kassel: Narren fuhren im Boot vor

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Kapitulierte vor den Narren: Da hatte Oberbürgermeister Bertram Hilgen (links) nur noch das Nachsehen. Karnevalsprinz Marco I. (Mitte) eroberte mit einer Schar gutgelaunter Narren am Samstagmittag das Kasseler Rathaus. Rechts Ihre Lieblichkeit Erika.

Kassel. Einer der ersten Rathaus-Herren, der am Samstag bei klirrender Kälte gut gelaunt auf der Rathaus-Treppe stand und Ausschau hielt, fest entschlossen, die städtische Verwaltungsburg zu verteidigen, war der SPD-Stadtverordnete Volker Zeidler.

Da befand sich der drohende Narrensturm noch irgendwo auf der Königsstraße in weiter Ferne. Doch die Gefahr war bereits spürbar. Vielleicht liegt Wachsamkeit ja in Zeidlers Beruf begründet: Polizist.

Die Verstärkung ließ nicht lange auf sich warten. Bald füllte sich an diesem Karneval-Samstagmittag die ganze Rathaus-Treppe: Magistrats- und Stavo-Mitglieder, Rathausmitarbeiter und Fraktionsvertreter - ein Bollwerk gegen die losgelassenen Jecken.

Rathaus-Protokollchefin Ursula Füchsel hatte ihre Mannen an sage und schreibe zwei großen Konfetti-Kanonen postiert, darunter einer nagelneuen, von Rathaus-Mitarbeitern selbst gebauten. Unter Alaf- und Helau-Rufen wurden fleißig Papierschnipsel in die Luft gefeuert. Sie verwandelten die Obere Königsstraße in eine bunte Faschings-Insel.

Narren stürmen Kassels Rathaus

Auf Oberbürgermeister Bertram Hilgens Gesicht bis zuletzt keine Spur von Furcht vor den Narren abzulesen. Er setzte bei der Verteidigung seines Rathaus-Sessels auf überparteiliche Solidarität und kämpfte dabei sogar Seit an Seit mit zwei seiner Gegenspieler im Oberbürgermeister-Wahlkampf: Ernst Wegener von der CDU und Bernd Häfner von den Freien Wählern. „Sind das auch echte Kamellen?“ Wegener unterzog der süßen Munition, die er in einer Tüte mitgebracht hatte, erst mal einem Geschmackstest, bevor er sie unters Volk brachte. CDU-Partei-Chefin und Landtagsabgeordnete Eva Kühne-Hörmann hatte Unterstützung in Person ihrer zehnjährigen Tochter Johanna mitgebracht. Die fand es toll, Bonbons in die Menge zu werfen. „Kassel entwickelt sich immer mehr zu einer Faschingshochburg“, sagte ein vergnügter Heinz Gunter Drubel (FDP). Seine Parteifreundin, die Stadtverordnete Margret Müller, eine waschechte Rheinländerin, guckte angesichts dieser Feststellung verdutzt unter ihrer übergroßen rosa Clownsbrille hervor und stürzte sich noch ein bisschen entschlossener in den Kasseler Trubel. Die Stimmung stieg, angeheizt von der gewohnt souveränen Moderation Patrick Hartmanns, des Vizepräsidenten der Gemeinschaft Kasseler Karnevalgemeinschaften (GKK).

Dann kamen - mächtig und fröhlich - die Narren aus Stadt und Land angestürmt, angeführt vom Prinzenpaar Marco I. und Lieblichkeit Erika. Sie fuhren in einem Motorboot (auf Rädern) vor. Dieser Überraschungs-Coup gelang: In nullkommanichts waren Hilgen und Co. überwältigt. (chr)

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