Gericht hatte erste Abmahnung gegen Rathaussekretärin als überzogen bezeichnet

Stadt nahm erste Abmahnung zurück und schickte die zweite

Hat eine neue Abmahnung erhalten: Cornelia Harig, die 30 Jahre lang als Sekretärin im Kasseler Rathaus arbeitete. Inzwischen ist sie in der passiven Phase der Altersteilzeit. Foto: Ludwig/ Archiv

Kassel. Die Rathaussekretärin Cornelia Harig, die 2012 ein Fehlverhalten ihrer Chefin offenbarte, hat eine erneute Abmahnung der Stadt Kassel erhalten. Und zwar nachdem die Stadt die erste Abmahnung wegen einer Kritik des Arbeitsgerichts zurückgenommen hatte:

Nachdem das Arbeitsgericht die erste Abmahnung als überzogen beurteilt hatte, entfernte die Rathausverwaltung diese am Montag aus der Personalakte der 60-Jährigen, um ihr dann gleich eine abgeänderte zuzusenden. Harig hatte im Sommer 2012 öffentlich gemacht, dass die frühere Revisionsamtsleiterin ihre Doktorarbeit von einer anderen Sekretärin in der Arbeitszeit abtippen ließ.

„Wir sprechen eine neue Abmahnung aus, die den Bedenken des Arbeitsgerichts Rechnung trägt.“

Weil sich Harig mit ihren Beobachtungen nicht ausschließlich an das Personalamt und Personaldezernent Bertram Hilgen gewandt hatte, sondern später auch die Stadtverordneten informierte, wirft ihr die Stadt die Weitergabe von Interna vor. "Sie hat Dienstgeheimnisse nach außen gegeben und dies halten wir weiterhin für abmahnungswürdig", sagte Stadtsprecher Ingo Happel-Emrich. Und weiter: „Wir sprechen eine neue Abmahnung aus, die den Bedenken des Arbeitsgerichts Rechnung trägt.“

Über das Fraktionsbüro der Linken waren seinerzeit die Schilderungen der Sekretärin auch an die HNA gelangt. Wir und auch die Osnabrücker Zeitung berichteten über das Fehlverhalten der Amtsleiterin, woraufhin diese ihren neuen Job als Kämmerin der Stadt Osnabrück nach wenigen Tagen verlor.

Imageverlust angelastet

Lesen Sie auch

Abmahnung gegen Rathaus-Sekretärin: Stadt rechtfertigt Strafe

Der Arbeitsrichter hatte in der Güteverhandlung unter anderem kritisiert, dass die Abmahnung der Stadt über das Ziel hinausschieße. Darin war Harig dafür verantwortlich gemacht worden, dass das Image der Stadt und der Ruf des Oberbürgermeisters Schaden genommen hätten. Auf solche Passagen soll das Personalamt in der neuen Abmahnung verzichtet haben.

Der Anwalt von Harig, Dr. Bernd Hoppe, will sich mit seiner Mandantin die neue Abmahnung zunächst genau anschauen, bevor er sich zu weiteren Schritten äußert. Es gilt aber als wahrscheinlich, dass er auch gegen diese Abmahnung gerichtlich vorgeht.

Harig hatte im Juli 2012 ihre Beobachtungen zunächst auf dem regulären Dienstweg ihren Vorgesetzten mitgeteilt. Sie informierte Personalamt und Oberbürgermeister. Erst einen Monat später, nachdem aus ihrer Sicht die Verwaltung nicht reagiert hatte, informierte sie die Fraktionen. Harig, die 30 Jahre im Rathaus gearbeitet hatte, befindet sich mittlerweile in der passiven Phase ihrer Altersteilzeit.

Ein Disziplinarverfahren, das die Stadt gegen die ehemalige Amtsleiterin eingeleitet hatte, ist immer noch nicht abgeschlossen. Auf dem Rathausrechner war die Doktorarbeit durch Harigs Hinweis entdeckt worden und anhand der Dateien wurde deutlich, dass in erheblichem Umfang am Arbeitsplatz daran gearbeitet wurde.

Von Bastian Ludwig

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.