Raub, Diebstahl und vieles mehr: Junge Serienstraftäter vor Gericht

Kassel. Ausgerechnet der Jüngste führt das große Wort. Gerade einmal 16 Jahre alt ist der Jugendliche, der sich seit gestern mit zwei Kumpeln wegen einer ganzen Serie von Raubüberfällen und Diebstählen vor dem Landgericht verantworten muss.

Und er gefällt sich gut in der Rolle des coolen Gangsters – ohne zu merken allerdings, dass das bei ihm eher nach Räuber-und-Gendarm-Spielen klingt.

„Ich hab’ so viele Taxis gemacht“, prahlt er. „Das war wie Essen und Trinken, ehrlich.“ Was er meint, sind Trickdiebstähle: Während einer seiner Mitangeklagten – ein 18-Jähriger aus Helsa – die Chauffeure ablenkte, griff er nach ihrem Portemonnaie. Fünf solcher Taten haben den Weg in den dicken Anklagenstapel gefunden. „Ich hab’ mich spezialisiert auf Taxifahrer“, verkündet der 16-Jährige. „Ohne Bedrohen, Schlagen, ganz normal. Das ist besser als Raub.“

Doch geraubt haben er und seine Freunde auch. Und sie waren dabei nicht zimperlich. So drangen sie im März, bewaffnet mit Messer, Schlagring und Pfefferspray, in eine Wohnung eines Bekannten in Bettenhausen ein, weil sie dort Marihuana vermuteten – ein halbes Kilo. „Leichte Sache, dachten wir uns“, sagt der Wortführer. „Der kann uns ja nicht anzeigen, wenn wir ihm Gras klauen.“ Doch das Trio fand keine Drogen. Stattdessen schlugen und traten sie die Bewohner – und nahmen Geld, Handys und einen Flachbildfernseher mit.

Es sollte ihre vorerst letzte Tat gewesen sein. Danach wurden die drei erwischt und in U-Haft geschickt. Was sie in den fünf Monaten zuvor in wechselnder Besetzung getrieben hatten, füllt nun 15 Anklageschriften und reicht von Fahren ohne Führerschein über Schlägereien und Widerstand gegen Polizeibeamte bis zu Raub und Diebstahl.

Und fast alles wird von den dreien freimütig eingeräumt: Sie hätten sich halt Geld beschafft, um es in Kneipen verfeiern oder in Spielhallen verzocken zu können. „Wir haben das Geld nutzlos aus dem Fenster geworfen, genauso wie wir es nutzlos bekommen haben“, sagt der 16-Jährige.

Mit fünf Tatvorwürfen erscheint der älteste Angeklagte – ein 19-Jähriger aus Kassel – im Vergleich zu seinen jüngeren Kumpanen geradezu noch als Waisenknabe. Bei dem jüngsten Möchtegern-Gangster sind es bereits neun, und bei dem 18-Jährigen sogar 15 Fälle.

Der Prozess wird am 21. Oktober fortgesetzt. (jft)

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