Zwei Angeklagte bestreiten, einem 75-Jährigen die Geldbörse mit 280 Euro gestohlen zu haben

Raub nach Trinkgelage?

Kassel. Da die 35-jährige Angeklagte am Donnerstag nicht freiwillig vor dem Amtsgericht erschien, musste sie von der Polizei vorgeführt werden. Sie soll nach einem Trinkgelage im September 2010 gemeinsam mit dem 54-jährigen Mitangeklagten einem 75-Jährigen die Geldbörse abgenommen und etwa 280 Euro geraubt haben.

„Ich habe nichts zu sagen, ich kenne den Angeklagten nicht!“, sagte sie jedoch. Weder an einen solchen Vorfall, noch an eine Festnahme und eine Blutabnahme bei der Polizei habe sie eine Erinnerung. Und der Mann neben ihr auf der Anklagebank beteuerte, er sei zwar an jenem Tag in ihrer Wohnung gewesen, „ich wollte nach dem Rechten schauen“, weil er mit der Frau befreundet sei. Als er sie und den 75-Jährigen dann bei einer Flasche Wodka sitzen sah, habe er sofort wieder kehrt gemacht. Deshalb könne er keinerlei Angaben machen.

Detaillierte Schilderung

Der 75-Jährige beschrieb jenen Tag hingegen detailliert: Demnach traf er die Angeklagte auf dem Königsplatz, sie habe ihn um eine Zigarette gebeten, da seien die beiden auf die Idee gekommen, sich gemeinsam zu betrinken. Dazu beschafften sie sich, so die Version des Zeugen, eine Flasche Wodka und ein paar Bier, die sie sich im Appartement der Angeklagten genehmigten. Da sei der 54-Jährige aufgetaucht. „Er drohte mir: „Wenn du die Kohle nicht heraus rückst, lebst du nicht lange!’“ Die beiden hätten behauptet, er habe sich an der Frau vergreifen wollen. In der Anklage steht, die 35-Jährige habe Geld für vorherigen Sex verlangt.

Anruf bei der Polizei

Der 75-Jährige bestreitet das, er weigerte sich nach dem Gelage dann auch, Geld herauszurücken. Daraufhin hätten ihn die beiden Angeklagten aufs Bett geworfen, gepackt und ihm das Portemonnaie weggenommen, in dem er gerade sein komplettes Arbeitslosengeld verstaut hatte. Als die Frau damit aus der Wohnung flüchtete, habe er sie verfolgt, sie habe ihm jedoch lediglich 60 Euro wiedergegeben. Die beiden seien in einer Gaststätte gelandet, wo jemand die Polizei gerufen habe.

Gegenüber den Beamten konnte der 75-Jährige detailliert die Wohnung der Angeklagten beschreiben. Die Frau hingegen bestritt in ihrer Vernehmung damals, mit dem Mann dort gewesen zu sein.

Sie hat zwei stationäre Aufenthalte in der Psychiatrie hinter sich, deshalb war sie vor der Verhandlung vom psychiatrischen Sachverständigen Rolf Günther auf ihre Schuldfähigkeit hin untersucht worden. Die Ärzte in der Klinik hatten ihre eine Schizophrenie attestiert, der Sachverständige hingegen stellte neben einem Hang zum Alkohol lediglich eine „unauffällige Psychose“ fest. Um den Widerspruch zwischen den beiden Diagnosen aufzuklären, will das Gericht zu einem weiteren Termin die behandelnden Klinikärzte als Zeugen laden. Deshalb soll der Prozess voraussichtlich am 27. Januar fortgesetzt werden. (pas)

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