30-jähriger Kasseler soll in Entziehungsanstalt

Raub mit Luftdruckpistole: Fünfeinhalb Jahre Freiheitsstrafe

Kassel. Am Ende darf die Ehefrau des Angeklagten in den Verhandlungsraum. Unter wachsamen Augen dürfen die beiden sich verabschieden, bevor der 30-jährige Kasseler aus dem Saal geführt wird. Er muss zurück hinter Gitter.

Die Umarmung genehmigt die 5. Strafkammer am Dienstag. Ihr Urteil aber fiel weit härter aus, als von der Staatsanwaltschaft gefordert.

Entweder eine „besonders schwere räuberische Erpressung“ oder aber ein „schwerer Raub“ habe sich ereignet, als der drogenabhängige Kasseler im Januar, mit einer Luftdruckpistole ausgestattet, in eine Wehlheider Wohnung eindrang, urteilte das Gericht.

Schuldig sei er auch eines Wohnungseinbruchsdiebstahls, bei dem eben jene Pistole entwendet worden sei. Außerdem habe er ohne Erlaubnis eine scharfe Schusswaffe besessen.

Für all das verhängte die Kammer eine Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren und ordnete an, den 30-Jährigen in einer Entziehungsanstalt unterzubringen. „Viel weniger ist nicht möglich“, sagte Richter Jürgen Stanoschek. Und: „Wir wollen Ihnen die Zukunft nicht verbauen.“

Tatsächlich liegt das Strafmaß am unteren Rahmen für die ausgeurteilten Taten. Allerdings war die Staatsanwaltschaft bei der Raubsache von einem minder schweren Fall ausgegangen – und hatte dann nur eine Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten sowie die Unterbringung gefordert. Der Vertreter der Nebenklage hatte daran nichts zu bemängeln gehabt.

Die Kammer aber folgte dieser Vorlage nicht. Unter anderem sah sie keinen Anlass anzunehmen, der Angeklagte sei durch Konsum von Alkohol und Drogen vermindert schuldfähig gewesen, als er im Januar beim Nebenkläger auftauchte. Dass er dem 27-Jährigen an dessen geöffneter Wohnungstür die Pistole an den Kopf schlug, hatte der 30-Jährige gestanden. Das Gericht sah es nun als erwiesen an, dass er den Nebenkläger und dessen Mitbewohnerin auch so mit der Pistole bedrohte, dass er die Wohnung schließlich mit rund 300 geraubten oder erpressten Euro verließ.

Aus Sicht der Verteidigung war weder ein Raub noch eine Erpressung bewiesen. Der Angeklagte selbst hatte ausgesagt, er habe 20 Euro „als Pfand“ mitgenommen. Er sei bei der Aktion in Wehlheiden in einer psychischen Ausnahmesituation gewesen – und enttäuscht, weil ihn der 27-Jährige „verarscht“ habe, sagte der 30-Jährige. Um Geld aus Drogengeschäften sei es gegangen. Das Ganze tue ihm leid, beteuerte er in seinem letzten Wort. Aber ein Gutes habe es: Er sei jetzt, in der U-Haft, seit acht Monaten clean – und wolle eine Langzeittherapie machen.

Stanoschek versuchte, den Mann nun auch für Chancen zu erwärmen, die die Strafe biete: Die Entziehungsanstalt sei „vielleicht die einzige Chance“ für ihn, den „ganzen Scheiß jetzt hinter sich zu lassen“.

Von Katja Schmidt

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