Landgericht spricht 28-Jährigen frei

Raubüberfall in Fuldaaue: Opfer entlastet Angeklagten

Kassel . Eigentlich hätten die Ermittlungen nicht die Schuld, sondern vielmehr die Unschuld des 28-jährigen Niestetalers belegt, sagte Verteidiger Werner Momberg. Dennoch war der Mann des Raubüberfalls auf einen Homosexuellen in der Kasseler Fuldaaue angeklagt worden. Am Montag sprach ihn das Kasseler Landgericht frei.

Ratlos auf der Anklagebank: „Ich habe meinem Mandanten zu erklären versucht, wie es zu der Anklage gegen ihn gekommen ist“, sagte Momberg. „Es ist mir nicht gelungen.“

„Es verbleibt nichts, was den Anklagevorwurf bestätigen könnte“, hatte selbst Staatsanwalt Götz Wied einräumen müssen. Und das bereits nach der Vernehmung eines einzigen Zeugen. Des entscheidenden allerdings – des Opfers nämlich.

Der 50-Jährige aus Osthessen hatte an einem frühen Januarmorgen 2012 am Buga-See nach einem sexuellen Abenteuer gesucht. In einem Bereich, der als Schwulentreffpunkt bekannt ist, war er von vier jungen Männern angesprochen worden. „Erst wurde ich so bequatscht, als ob sie was machen wollten“, erzählte der 50-Jährige. Doch sehr schnell sei klar gewesen, dass ihr sexuelles Interesse nur vorgetäuscht war. In Wirklichkeit hätten sie ein anderes Ziel gehabt: Geld. Sein Geld.

Der Mann wurde zu Boden geschubst, getreten und niedergedrückt, bis die Räuber sein Portmonee mit knapp hundert Euro Bargeld sowie seine Sonnenbrille gefunden und eingesteckt hatten. Dann sprühten sie ihm zum Abschied Pfefferspray ins Gesicht, um ihn an der Verfolgung zu hindern. „Es hat getränt und gebrannt wie Feuer“, sagte der 50-Jährige.

Bis dahin aber habe er seine Peiniger trotz Dunkelheit recht gut sehen können. Und sei sich deshalb absolut sicher: „Der“ – also der Angeklagte – „war nicht dabei. 100-pro.“ Aber erkennt er vielleicht im Auto des 28-Jährigen den hellen Kleinwagen wieder, in dem die Räuber unterwegs waren? Nein, erst recht nicht. Als dem 50-Jährigen im Gerichtssaal ein Foto des fraglichen Gefährts gezeigt wurde, musste er sogar ein bisschen lachen, derart absurd schien ihm die Verwechslung. „So ein Auto war das nicht. Definitiv nicht.“

Zeugen sahen Männer am Tatort

Warum ihm diese Fragen nicht schon früher gestellt worden waren, blieb das Geheimnis der Ermittler. Ihnen hatte genügt, dass Zeugen mehrere Stunden vor der Tat vier Männer am Tatort gesehen hatten – in einem Auto, das möglicherweise das des Angeklagten hätte gewesen sein können.

Zudem war im Wagen des 28-Jährigen später ein benutztes Pfefferspray entdeckt worden. Dünne Indizien, aber sie reichten der Staatsanwaltschaft, um den Niestetaler mit drei Jahren Gefängnis zu bedrohen: Wäre der Mann wie angeklagt wegen schweren Raubes und Körperverletzung verurteilt worden, wäre das ogar nur die Mindeststrafe gewesen. (jft)

Rubriklistenbild: © Symbolbild

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.