22-jähriger Kasseler muss sich auch wegen Körperverletzung vor Gericht verantworten

Ein Raubvorwurf und drei Versionen

Kassel. Am Ende des langen Verhandlungstages sitzt das Amtsgericht mit drei Versionen da. Was in den Morgenstunden des 9. Januar in Niederzwehren passiert ist, wird von drei jungen Männern unterschiedlich geschildert. Klar ist: Einer von ihnen, ein 22-jähriger Kasseler, sitzt wegen der Vorfälle auf der Anklagebank. Vorwurf: Raub und Körperverletzung.

Die Körperverletzung räumt der 22-Jährige gestern auch ein. Mehr nicht. Seine Version: Er habe in jener Nacht mit Kumpels in einer Disco in Borken gefeiert. Alle seien betrunken gewesen. Er selbst habe zuvor auch Cannabis und vor Ort etwas Kokain konsumiert. Als sie gegen 5 Uhr mit einem Minicar nach Hause hätten fahren wollen, sei ein Unbekannter dazugekommen: „Der wollte unbedingt mit nach Kassel, weil seine Freunde ohne ihn weggefahren waren.“

Man habe sich geeinigt, dass der andere 20 Euro zahlen solle. Doch am Ziel habe der andere behauptet, er habe schon gezahlt. Sie hätten lang diskutiert - dann habe er in einer „Kurzschlussreaktion“ dem anderen eine Kopfnuss verpasst, von der dieser zu Boden gegangen sei. Das bereue er heute, sagt der 22-Jährige.

„Ich habe noch einmal zugetreten“, gibt er auf Nachfrage zu. „Irgendwo ins Gesicht.“ Dem Geschädigten Geld und ein Telefon weggenommen, wie es in der Anklage steht, habe er aber nicht. Das Handy sei ihm vielmehr später im Auto von einem seiner Kumpels überreicht worden.

Das Gerät war einige Zeit später in einem Kasseler Gebrauchthandy-Laden aufgetaucht - und der 24-jährige Geschädigte bekam es wieder. Er musste gestern lang als Zeuge im Gericht bleiben - für Nachfragen. Er beteuert, er habe schon auf der Autobahn für die Fahrt bezahlt. Sein Handy habe er in Niederzwehren in der Hand eines großen Mitfahrers gesehen - er könne nicht sagen, wie es dort hinkam.

Diese Aussage weicht in einigen Punkten von dem ab, was die Polizei bei früheren Vernehmungen protokolliert hat. Verteidigerin Gudrun Meyer will deshalb wissen, ob der große junge Mann, der ebenfalls als Zeuge geladen ist, dem Geschädigten womöglich gedroht habe. Der 24-Jährige verneint.

Der große Mann hatte wegen der Vorfälle zeitweise in Untersuchungshaft gesessen - ebenso wie der Angeklagte. Als Zeuge berichtet er am Donnerstag diese Version: Er habe dem Geschädigten an jenem Morgen nichts getan - sondern ihm geholfen. Leid tue ihm, dass er keinen Krankenwagen gerufen habe.

Der 24-Jährige allerdings betont: „Keiner hat mir geholfen.“ Im Januar soll ein weiterer Mitfahrer als letzter Zeuge gehört werden.

Von Katja Schmidt

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