Bei der närrischen Stadtverordnetenversammlung gingen die Politiker in die Bütt

Raunen über Orden für OB

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Übergeben haben die närrische Auszeichnung der Ordensträger 2011, Hendrik Jordan (von links), Prinzessin Katharina und GKK-Präsident Thomas Träbing.

Kassel. Schwarze Köpfe zierten Zöpfe, grüne sogar Blumentöpfe, Rote trugen Narrenkappe, Piraten lieber Augenklappe – alle waren sie dabei, bei der Stavo-Narretei.

Fotos der Versammlung

Närrische Stadtverordnetenversammlung in Kassel

Kasseler Karnevalisten und die sonst seriösen Stadtverordneten feierten im Bürgersaal des Rathauses die fünfte Jahreszeit. Bei der 31. närrischen Stadtverordnetensitzung gingen die Politiker in die Bütt. Dabei wurden sogar Talente entdeckt. Für Abwechslung sorgten die Garden der Karnevalvereine mit ihren Tänzen.

Selbst Oberbürgermeister Bertram Hilgen reimte, nachdem ihm der Orden „In Joco Veritas“ (Im Witz liegt Wahrheit) verliehen wurde. Hat denn seine Wiederwahl nicht gereicht, wird mancher gedacht haben. Ein Raunen ging durch den Saal, als der Ordensträger 2011, Hendrik Jordan, die Wahl der Gemeinschaft Kasseler Karnevalgesellschaften (GKK) verkündete. Zweifler seiner närrischen Eignung besänftigte Hilgen mit Selbstironie: „Mein Ego als OB legt zu, die Politik muss zittern, die Botschaft send’ ich allen zu, durch Skypen, Mailen, Twittern.“

Überhaupt waren die Reden am witzigsten, wenn die närrischen Politiker ihre eigene Couleur aufs Korn nahmen. Esther Kalveram (SPD) machte sich als Rathausputzfrau zur Anwältin der Arbeiterklasse gegenüber den eigenen Genossen. Auch ihre CDU-Kollegin Jutta Schwalm, die mit Ministerin Eva Kühne-Hörmann auftrat, machte sich über die eigene Partei lustig: „Das ist die Elite, die Krem de la Kräme, nur wär’n wir echt froh, wenn uns jemand wähle.“

Domina mit Lederpeitsche

Eva Koch (Grüne) erntete für ihr Debut reichlich Angebote, in der nächsten Kampagne dabei zu sein. Bitterbös und temporeich gab sie als Domina mit Lederpeitsche einen Einblick in ihren Folterkeller: „Schlagen, den Piraten? Nein! Das muss viel subtiler sein. Ich schließ ihn mit dem Notebook ein. In den Kerker, kalt wie ein Grab. Dann klemm ich ihm die Fritz-Box ab.“

Das Lange Feld, Salzmann und die Altmarktkreuzung tauchten immer wieder in den Reden auf. Das parteilose FDP-Fraktionsmitglied Donald Strube (auch Putzfrau) machte sich ebenso über den Abgang von Stadtbaurat Joachim Lohse lustig wie die ansonsten zurückhaltende Stadtverordnetenvorsteherin Petra Friedrich: „Nur 16 Monate währte die Chose, dann war Schluss für Stadtrat Lohse. Konrad, sprach der Stadtbaurat, ich geh fort, bleib Du parat.“

Da konnte man Mitleid mit Lohses Nachfolger Christof Nolda (Grüne) bekommen. Und das wuchs noch, als der Schwabe selbst zur Gitarre griff und nach acht Wochen im Amt bereits ein Trauerlied anstimmte.

Kein Mitleid hatte Fullefischer Marcus Leitschuh. Er ist als Karnevalist seit Jahren bei der Sitzung dabei. Neuerdings gehört er aber auch der CDU-Fraktion an. Das hielt ihn nicht zurück, rundrum auszuteilen. So wie es sein muss in der Fastnachtszeit.

Von Marcus Janz

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