49-Jähriger wegen mehrfacher Beleidigung und Körperverletzung vor Gericht

Hungerstreikende Iraner beleidigt: Mann rastete im Rausch aus - Prozess

Sie wurden beschimpft: Abbas Tadrisy (links) und Hadi Africiabi campierten im vergangenen Jahr für einen Hungerstreik vor dem Rathaus. In der Mitte ist ihre Unterstützerin Mania Irani zu sehen. Archivfoto:  Weisker/nh

Kassel. Zwei Iraner, die im Jahr 2010 wegen eines Hungerstreiks vor dem Rathaus campierten, wurden eines Nachts von zwei merkwürdigen Besuchern überrascht: Ein heute 49-Jähriger, der nun auf der Anklagebank des Kasseler Amtsgerichts sitzt, und sein Kumpel rissen Witze über die Protestaktion der beiden und überschütteten sie mit übelsten Schimpfworten.

Es war nicht das erste und nicht das letzte Mal, dass sich der 49-Jährige im Rausch zu solch einer Tat hinreißen ließ. Vor dem Amtsgericht geht es um fünf Anklagen wegen Beleidigung und Körperverletzung, eine sechste kam am Mittwoch neu hinzu.

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Bei der nächtlichen Aktion im Oktober vergangenen Jahres vor dem Zelt am Rathaus blieb es bei einer verbalen Auseinandersetzung, der Angeklagte fuchtelte lediglich mit seinem Zeigefinger vor dem Gesicht eines Iraners herum. Dann rückte die Polizei an. In anderen Fällen kamen Menschen, die unfreiwillig in eine Auseinandersetzung hineingezogen wurden, nicht so glimpflich davon.

Schon im Juni 2010 hatte der 49-Jährige - ebenfalls betrunken - in dem Mietshaus randaliert, in dem er damals wohnte. Ohne Vorwarnung klingelte er im Erdgeschoss Sturm, und als die Lebensgefährtin des Mieters öffnete, beschimpfte er sie unflätig. Verängstigt schloss sie die Tür, da hieb und trat der ungebetene Besucher von außen derart dagegen, dass sie entzwei ging. Die beiden Bewohner sagten als Zeugen, der Randalierer habe bei diesem Wutanfall auch gedroht, sie beide zu erschießen.

Schon wenige Tage nach dem Vorfall vor dem Zelt der Iraner verletzte der Angeklagte einen Gast in den Räumen des Musikfördervereins Ölmühlenweg. Der heute 36-Jährige berichtete, der Angeklagte habe den ganzen Abend versucht, andere Gäste des Vereinscafés zu provozieren. „Da bekam ich unvermittelt eine Kopfnuss.“

Die Kombination aus Beleidigungen und tätlichen Angriffen setzte sich im Januar dieses Jahres in zwei Kneipen fort. Im „Stadt Stockholm“ soll der Angeklagte nach einem Schwall von Beleidigungen ein Glas in Richtung eines Gastes geworfen haben. Danach gab es eine handfeste Keilerei, bei der auch der Angeklagte etwas abbekam, jedenfalls wachte er mit Schnittwunden an der Augenbraue und den Händen sowie einem gebrochenen Nasenbein im Krankenhaus auf.

Eine Mitarbeiterin der Clubs „Nighttime“ konnte den Beschimpfungen und Bedrohungen ihres aggressiven Gastes, der sich schon morgens um acht Uhr einige Schnäpse hinter die Binde gekippt hatte, nur dadurch entrinnen, dass sie die Polizei rief. Die meisten Vorwürfe räumte der Mann mit dem Kopftuch, der sich während seiner Wutausbrüche gern auch als Mitglied der Hells Angels gerierte, gestern ein. Da noch einige Zeugen gehört werden sollen, wird der Prozess am 23. November fortgesetzt. (pas)

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