Zwei Angeklagte sollen die Trunkenheit einer 21-Jährigen ausgenutzt haben

Im Rausch missbraucht?

Kassel. Eine heute 21-Jährige soll im Dezember 2011 von zwei Männern betrunken in ein Hotel in Waldau gebracht und dort gemeinschaftlich missbraucht worden sein, so steht es in der Anklageschrift, über die seit gestern vor der dritten Kammer des Landgerichts verhandelt wird.

Die Beweisaufnahme dürfte aufwändig und kompliziert werden. Am ersten Verhandlungstag äußerte sich zunächst nur einer der beiden Angeklagten, ein 25-Jähriger.

Er habe, sagte er, als Taxifahrer in jener Nacht vor dem Cuba-Club in der Werner-Hilpert-Straße gestanden. Da hätten Gäste eine angetrunkene junge Frau in sein Auto gesetzt, ihm zehn Euro in die Hand gedrückt und ihn aufgefordert, sie nach Hause zu bringen. Seine Kundin habe ihm dann jedoch zu verstehen gegeben, dass sie gar nicht nach Hause, sondern noch etwas unternehmen wolle. Da er gleich Feierabend hatte, sei er darauf eingegangen. Er rief demnach einen Freund an, der an einer Tankstelle arbeitete und vereinbarte mit ihm, zu dritt „zu chillen“.

27-Jähriger schwieg

An der Tankstelle angekommen hätten die drei besprochen, in das Hotel zu fahren. Der Taxifahrer brachte nach eigenen Angaben die beiden zu dem Hotel, übergab das Auto an einen anderen Fahrer und kam in seinem privaten Pkw nach Waldau. Als er ins Zimmer trat, hätten der andere Angeklagte und die junge Frau sich dort nackt aufgehalten. Er habe sich ausgezogen und mit den beiden auf das Bett gelegt.

Der zweite Teil der Aussage fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Richter Wolf Winter informierte danach, dass der 25-Jährige geäußerte habe, beide Angeklagten hätten Geschlechtsverkehr mit der jungen Frau gehabt, sie sei daran „aktiv beteiligt“ gewesen. Der zweite Mann auf der Anklagebank, ein 27-Jähriger, sagte am Dienstag nichts. Sein Anwalt Werner Momberg kündigte an, dass sich sein Mandant später äußern werde, seine Angaben seien jedoch „nicht deckungsgleich“ mit denen des 25-Jährigen.

„Von da an weiß ich nichts mehr.“ Die 21-Jährige über den Verlauf der Nacht

Die 21-Jährige, um die es in dieser Sache geht, kann sich nur an wenige Details des Abends erinnern. Die Servicekraft eines Kasseler Cafés war nach Feierabend mit Kollegen in den Club gegangen, hatte dort etwas getrunken, ein paar Mixgetränke, alles in allem nicht übermäßig viel.

„Es ging mir gut.“ Doch dann habe es „einen Cut“ gegeben. „Von da an weiß ich nichts mehr.“ Sie sei erst wieder zu sich gekommen, als am nächsten Morgen ihr Handy klingelte und ihre Mutter besorgt fragte, wo sie bleibe. Sie habe geantwortet, dass sie sich in dem Café befinde, in dem sie arbeite.

Eltern sorgten sich

Das stellte sich als Irrtum heraus. Die Eltern holten sie in dem Hotel ab, wollten wissen, was passiert war. „Ich wusste es nicht.“ Als die Eltern insistierten, ob etwas in sexueller Hinsicht passiert sein, habe sie verneint.

Mutter und Schwester hätten vorgeschlagen, ins Krankenhaus zu fahren, was dann auch passierte. Laut Anklage sollen die beiden Angeklagten ihren Zustand ausgenutzt und sexuelle Handlungen an ihr vorgenommen haben.

Zwei Sachverständige und 13 Zeugen sollen Licht in das derzeitige Dunkel bringen. Am 4. Juni wird der Prozess im Kasseler Landgericht fortgesetzt.

Von Ralf Pasch

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