Auf Geheiß von Honeywell

Rauswurf vor Start: RMG muss Auszubildende kündigen

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Vor dem Ausbildungsstart bei der Firma RMG vom Honeywell-Konzern vor die Tür gesetzt: Florian Wiegleb (links) aus Kassel und Lukas Beinecke aus Baunatal-Altenritte.

Kassel. Für Florian Wiegleb aus Kassel und Lukas Beinecke aus Baunatal-Altenritte war die Ausbildung bei der Kasseler Firma RMG zu Ende, bevor sie überhaupt begonnen hatte. Die beiden Abiturienten wurden Opfer der Strategie des amerikanischen Honeywell-Konzerns, Kaufleute nicht mehr selbst auszubilden.

Jetzt stehen die beiden jungen Männer, die im Sommer an der Kasseler Paul-Julius-von-Reuter Schule ihr Fachabitur im Bereich Wirtschaft und Verwaltung bestanden hatten und bei dem Kasseler Mess- und Regeltechnikspezialisten RMG zum Industriekaufmann ausgebildet werden sollten, auf der Straße.

Alternativen gibt es nicht mehr. „Wir hatten am 13. Juni den Ausbildungsvertrag unterschrieben“, berichtet Florian Wiegleb. Kurz danach sagte der 19-Jährige einen anderen Ausbildungsplatz beim Kaufunger Solartechnikunternehmen Stiens ab. Nach dem Rauswurf bei RMG vor wenigen Tagen rief Wiegleb sofort bei Stiens an: „Aber der Ausbildungsplatz war natürlich längst weg.“

Bei RMG wurden die beiden Auszubildenden bereits erwartet, die Abteilungen waren informiert, „die Sicherheitsschuhe für uns waren schon bestellt“, sagt Lukas Beinecke. Doch dann kam am 29. August ein Anruf der Firma Futura, die die Verbundausbildung koordiniert. Für den 30. August wurden die beiden Auszubildenden zu einem Gespräch gebeten. „Wir dachten, da sind noch ein paar formale Dinge zu klären“, erinnert sich der 18-Jährige.

Doch dann wurde den beiden mit Bedauern mitgeteilt, dass der Ausbildungsvertrag aufgekündigt wird. Das habe mit Konzernumstrukturierungen bei Honeywell zu tun, dadurch fielen Ausbildungsplätze weg, lautete die Begründung. „Das war ein ganz schönes Brett“, sagt Wiegleb. „Da haben wir erst mal zwei, drei Minuten nichts gesagt“, denkt Beinecke an den Termin zurück. Beide bräuchten zum Starttermin am 4. September bei RMG nicht mehr zu kommen, endete das Gespräch.

Der Rauswurf rief den RMG-Betriebsrat auf den Plan. „So was hat es hier noch nie gegeben“, schimpft Vorsitzender Hans-Peter Brückmann, seit 36 Jahren bei RMG und seit 25 Jahren im Betriebsrat. Nur auf Druck der Arbeitnehmervertretung würden überhaupt noch Auszubildende eingestellt, und nun habe sich die amerikanische Konzernleitung im Nachhinein durchgesetzt und die jungen Männer rauswerfen lassen. „Das ist traurig“, sagt Brückmann und kündigt Widerstand gegen solche Konzernvorgaben an.

Von Jörg Steinbach

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