Zoll durchsucht bundesweit 44 Gebäude

Razzia auf Großbaustelle in Kassel: 18 Arbeiter ohne Aufenthaltserlaubnis

Durchsuchungen am Mittwoch: Mitarbeiter des Zolls auf einer Baustelle am Pulvermühlenweg.
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Durchsuchungen am Mittwoch: Mitarbeiter des Zolls auf einer Baustelle am Pulvermühlenweg.

Im Kampf gegen organisierte Schwarzarbeit auf Baustellen haben Ermittler am Mittwoch 44 Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht. Einsätze gab es auch auf zwei Großbaustellen in Kassel und Göttingen. Insgesamt 20 Menschen wurden dort festgenommen. 

Kassel – Mehrere Fahrzeuge des Zolls parken am Mittwochvormittag im Pulvermühlenweg. Mitarbeiter des Zolls sitzen an Tischen oder in sogenannten Bürobullis und befragen Arbeiter. Sie werden dabei von Dolmetschern unterstützt. Denn Deutsch spricht kaum jemand, der noch gut eine Stunde zuvor auf der Baustelle in der Unterneustadt gearbeitet hat.

Oft sind Mitarbeiter des Zolls bei Razzien auch schon zu früheren Uhrzeiten aktiv, aber bei Einsätzen gegen Schwarzarbeit auf Baustellen muss abgewartet werden, bis dort der Betrieb läuft. Insgesamt hat der Zoll am Mittwoch zusammen mit Polizei und Steuerfahndung zeitgleich 44 Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht. Der Schwerpunkt des Einsatzes lag auf Kassel und der Umgebung, einzelne Durchsuchungen gab es auch im Rhein-Main-Gebiet, in Berlin und Hamburg. In Kassel und Göttingen lag der Fokus auf zwei Großbaustellen, es gab aber auch Einsätze an der Frankfurter Straße und am Königsplatz. Gegen die mutmaßlichen Drahtzieher des Schwarzarbeits-Netzwerkes lagen bereits Untersuchungshaftbefehle der Kasseler Staatsanwaltschaft vor.

Dabei handelt es sich um einen 31-Jährigen und einen 58-Jährigen mit serbischer und deutsch-serbischer Staatsangehörigkeit. Insgesamt richteten sich die Ermittlungen gegen 25 Beschuldigte. Der Bande wird gewerbsmäßiger Betrug sowie Hinterziehung von Steuern und Sozialabgaben in Millionenhöhe vorgeworfen. Sie sollen Bauaufträge mit Schwarzarbeitern und illegalem Personal ausgeführt und so Sozialversicherungsbeiträge und Steuern in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro vorenthalten haben.

Michael Bender, Sprecher des Hauptzollamtes Gießen, spricht von einem Kettenbetrug, bei dem mit fingierten Zahlungen und Scheinrechnungen Schwarzgeld generiert würde, um so Arbeiter zu bezahlen. Bei Kontrollen auf Baustellen würden immer wieder Arbeiter aus Ost-Europa angetroffen, die mit gefälschten EU-Papieren ausgestattet würden, um so erforderliche Aufenthaltstitel zu umgehen.

„Den Arbeitern wird gesagt, dass sie entsprechende Verträge und Papiere bekommen“, sagt Bender. Die meisten würden die Arbeit annehmen, um ihre Familien ernähren zu können. Kenntnis von kriminellen Machenschaften hätten die Arbeiten meist nicht.

In der Pandemie sei die Arbeit auf den Baustellen nahezu ohne Einschränkungen weitergelaufen. Der Bau-Boom sei bekannt und eben auch die Schwierigkeit, Arbeiter zu finden, die die Tätigkeiten ausführten.

Auf den Baustellen in Kassel und Göttingen wurden 18 Bauarbeiter wegen des Verdachts auf illegalen Aufenthalt festgenommen. Die mutmaßlichen Täter gingen konspirativ vor. Die Verlegung von Firmensitzen, Scheinfirmen und der Einsatz von Strohmännern als Geschäftsführer erschwere die Ermittlungen, so Bender. Vor Ort wurden Computer und Mobiltelefone sichergestellt. Finanzermittler pfändeten Konten und offene Forderungen für erbrachte Bauleistungen in Höhe von 1,8 Millionen Euro. Neben Bargeld wurde ein Schlagstock, ein Messer sowie eine kleinkalibrige Pistole sichergestellt. (Kathrin Meyer)

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