Auswertung kann Jahre dauern

Razzia bei K+S beendet: Große Menge Akten und Daten gesichert

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Razzia vorbei: Die Durchsuchung der K+S-Zentrale in der Bertha-von Suttner-Straße in Kassel ist abgeschlossen. Sie hat zwei volle Tage gedauert.

Kassel. Die groß angelegte Razzia von Thüringer Ermittlungsbehörden und Polizei in der Konzernzentrale des Kassseler Kali- und Salzproduzenten K+S ist am Donnerstag am frühen Abend abgeschlossen worden.

Das teilte die Sprecherin des Landeskriminalamts Thüringen, Tina Büchner, auf Anfrage mit. Die Aktion hatte – wie berichtet – am Mittwochmorgen begonnen.

Tina Büchner

150 Beamte hatten in Kassel, in K+S-Geschäftsräumen an den Grubenstandorten Philippsthal (Kreis Hersfeld-Rotenburg) und Unterbreizbach (Thüringen) sowie in den Privathäusern von K+S-Chef Norbert Steiner (Kassel) und Aufsichtsratsvorsitzendem Ralf Bethke in Rheinland-Pfalz nach belastbaren Belegen dafür gesucht, dass K+S von 1999 bis 2007 möglicherweise auf Grundlage fehlerhafter Genehmigungen des Thüringer Landesbergamts und damit illegal 9,5 Millionen Kubikmeter salzhaltigen Abwassers in den Untergrund der Gerstunger Mulde versenkt haben könnte. Ermittelt wird auch gegen zwei Mitarbeiter des Bergamts.

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Bislang gibt es lediglich einen Verdacht des „unerlaubten Umgangs mit Abfällen“. Ob der sich bestätigen lässt, ist unklar. Ebenso wenig lässt sich sagen, wann erste Erkenntnisse vorliegen. Denn Landeskriminalamt und Staatsanwaltschaft Thüringen haben „eine große Menge“ Akten und Datenträger vorerst sichergestellt und abtransportiert. Insider gehen davon aus, dass deren Sichtung und Bewertung Jahre dauern wird.

Die Durchsuchungen gehen auf eine Strafanzeige der Gemeinde Gerstungen von 2008 zurück. Sie befürchtet, dass das Salzabwasser nicht – wie geplant – im Plattedolomit bleibt, sondern sich unkontrolliert verteilt und ins Trinkwasser gerät. Die Verpressung in den Untergrund ist im Freistaat längst eingestellt worden. Das Abwasser aus Unterbreizbach wird nach Hessen gepumpt und hier versenkt oder in die Werra geleitet.

Besondere Brisanz erhält die jetzige Polizei-Aktion, weil die geltende Versenkgenehmigung in Hessen am 30. November dieses Jahres endet und K+S eine neue bis 2021 beantragt hat, über die zeitnah entschieden werden muss.

Hausdurchsuchung bei K+S in Kassel

Der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) jedenfalls fordert Hessen Umweltministerin Priska Hinz auf, eine weitere Versenkung nicht zu genehmigen. „Die Ermittlungsverfahren bestätigen die rechtlichen Probleme der Versenkung“, sagte BUND-Vorstandsprecher Jürgen Nitsch. Er kritisiert den im Mai zwischen K+S und Landesregierung ausgehandelten Vier-Stufen-Plan, der eine Versenkung bis 2021 vorsieht. Bis dahin nämlich soll die Oberweser-Pipeline stehen, durch die das Salzabwasser zur Weser nach Nordhessen gepumpt werden soll. Die Leitung soll jene Mengen aufnehmen, die bislang versenkt werden.

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