Über 100 Festnahmen in ganz Deutschland

Razzien gegen Zwangsprostitution in Kassel, Göttingen und Bad Arolsen

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Einsatz in einem Wohnhaus an der Fünffensterstraße in Kassel: Dort schlug die Polizei während der bundesweiten Razzia zu.

Mit Razzien unter anderem in Kassel, Göttingen und Bad Arolsen geht die Bundespolizei gegen organisierte Kriminalität vor. Im Fokus steht ein Netzwerk, das Transsexuelle zur Prostitution zwingt.

Aktualisiert um 17.26 Uhr - Die Bundespolizei hat im Zusammenhang mit ihrer groß angelegten Aktion gegen eine Bande im Rotlichtmilieu mehr als 100 Personen vorläufig festgenommen. Sieben Haftbefehle wurden vollstreckt, wie ein Sprecher der Bundespolizei am Mittwochvormittag in Siegen sagte. Die Beamten durchsuchten demnach 62 Bordelle, Wohnungen oder Büros. Schwerpunkte der Aktionen waren Nordrhein-Westfalen mit 17 durchsuchten Einrichtungen, Hessen (10), Niedersachsen und Baden-Württemberg (je 9). Im Fokus der Beamten standen unter anderem Menschenhandel, Zuhälterei und Zwangsprostitution von Thailänderinnen. 

Auch in Kassel an der Fünffensterstraße waren die Beamten im Einsatz. Konkrete Informationen gab es von der Bundesbereitschaftspolizei in Fuldatal bis Mittwochabend noch nicht. Außer der, dass es keine Festnahmen gab. 

Einsatzort der Polizei an der Fünffensterstraße in Kassel.

Hier fand der Einsatz in Kassel statt

Im Bad Arolser Stadtteil Mengeringhausen (Kreis Waldeck-Frankenberg) wurden mehrere Räume in einem Wohnhaus an der Landesstraße in der Ortsmitte durchsucht. Festgenommen wurde dabei niemand. Beamte der Beweissicherungs- und Festnahme-Einheit der Bundespolizei waren an der Aktion beteiligt.

Die Bundespolizei durchsuchte mehrere Räume in einem Wohnhaus an der Landstraße in der Ortsmitte in Mengeringhausen.

In Göttingen wurde am Mittwoch ab 6 Uhr ein Bordell durchsucht. Er soll an der Hannoverschen Straße zu finden sein. Federführend für den Einsatz in der Uni-Stadt war die Inspektion Kriminalitätsbekämpfung der Bundespolizei in Hamburg. Ein Pressesprecher der Bundespolizei erklärte auf HNA-Anfrage, dass in dem Objekt Beweise gesichert wurden. Ob jemand in Göttingen festgenommen wurde, blieb unklar.

Transsexuelle aus Thailand nach Deutschland geschleust

Der von der Polizei mutmaßlich zerschlagene Menschenhändlerring soll von Siegen (Nordrhein-Westfalen) aus agiert haben. Vorn dort aus sollen thailändische Transsexuelle in ein bundesweites Bordell-Netzwerk geschickt worden sein. Im Fokus der Ermittlungen stehen Transsexuelle, die mit hohen Verdienstmöglichkeiten als Prostituierte nach Deutschland gelockt worden sind, heißt es von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt. Die Betroffenen, darunter auch Frauen, hätten dann zumeist in Wohnungsbordellen, beispielsweise in Gewerbegebieten oder auch im ländlichen Raum, gearbeitet, sagte ein Sprecher der Behörde. Die mutmaßlichen Täter hätten auf diese Weise ein spezielles Segment im Rotlichtmilieu besetzen wollen.

Hauptverdächtige sind nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft neben einer 59-Jährigen aus Thailand auch ihr 62 Jahre alter deutscher Lebensgefährte. Nach Angaben der Bundespolizei wohnt die Frau in Siegen. 

Die Einnahmen sollen von der Hauptbeschuldigten zunächst vollständig einbehalten worden sein. Damit sollen angebliche Schleusekosten in Höhe von bis zu 36.000 Euro sowie Miete und Verflegung beglichen worden sein. "Nach einer gewissen Verweildauer in den Siegener Bordellbetrieben sollen die Prostituierten in einer Art Rotationsprinzip in andere Bordellbetriebe des Netzwerks im gesamten Bundesgebiet verbracht worden sein", hieß es weiter.

Auch später soll die Hauptbeschuldigte dann einen Großteil der Einnahmen der Prostituierten über die örtlichen Bordellbetreiber erhalten haben. "Das ist wie so eine Art Schneeballsystem", sagte der Behördensprecher. Den Prostituierten seien bei einer Tätigkeit in Deutschland Gewinnversprechen gemacht worden, profitiert hätten dann aber vor allem die Drahtzieher. "Den Zweck hat man nicht verheimlicht, sie sind aber über die Konditionen getäuscht worden." Die Ermittler haben insgesamt 56 Verdächtige im Blick, 41 Frauen und 15 Männer im Alter zwischen 26 und 66 Jahren.

Bundesweite Razzia in Bordellen - Einsatz auch in Kassel

Polizeieinsatz, Fünffensterstraße, Razzia, Prostitution,Foto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
Polizeieinsatz, Fünffensterstraße, Razzia, Prostitution,Foto: Schachtschneider
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Polizeieinsatz, Fünffensterstraße, Razzia, Prostitution,Foto: Schachtschneider
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Polizeieinsatz, Fnnffensterstraße, Razzia, Prostitution,Foto: Schachtschneider
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Polizeieinsatz, Fünffensterstraße, Razzia, Prostitution,Foto: Schachtschneider
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Bundesweite Aktion

Große Razzia der Polizei: In Bonn führt die Polizei eine Frau aus einem Haus im Rotlichtmilieu ab.

Bundesweit wurden mehr als 60 Einrichtungen durchsucht. Über 1500 Beamte der Bundespolizei sind seit dem Morgen im Einsatz. Wie die Direktion der Bundesbereitschaftspolizei in Fuldatal mitteilt, handelt es sich bei der Aktion um die bislang größte Suchaktion seit Bestehen der Bundespolizei.

Bordelle in Hessen und Niedersachsen durchsucht

In Hessen wurden nicht nur Bordelle in Kassel und Bad Arolsen, sondern auch in Gießen, Wetzlar, Maintal (Main-Kinzig), Rodgau (Offenbach), Wiesbaden und Eschborn (Main-Taunus) durchsucht. 

In Niedersachsen und Bremen gab es am Mittwoch ebenfalls Einsätze in Bordellen. Es handele sich um insgesamt elf Objekte, sagte ein Sprecher der Bundespolizei in Hannover der Deutschen Presse-Agentur. Festnahmen gab es allerdings zunächst nicht.

Die Polizisten durchsuchten jeweils zwei Bordelle in Hannover und Bremen. Die anderen Einsatzorte waren Goslar, Göttingen, Oldenburg, Wolfsburg, Bad Pyrmont, Delmenhorst und Bad Nenndorf

Tweet der Bundespolizei Nord zur Razzia

(mit dpa)

Wir berichten weiter an dieser Stelle.

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