Ausstellung: Jacob Grimm beschäftigte sich auch mit der Sprache der Justiz

Expedition Grimm: Das Recht in die Hand nehmen

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Sie wägen ab: Florian und Mathilda, die Kinder von Kurator Dr. Thorsten Smidt, an Justitias Waage.

Kassel. Schuhe dienen oft nicht nur als Laufwerk, sondern auch als Statussymbol. Sie sind Ausdruck für Wohlstand, Attraktivität oder Protest. Dass sie aber ein Zeichen für Abhängigkeit sein könnten, darauf kommen Springerstiefelträger, Manolo-Blahnik-Anhängerinnen oder Turnschuh-Typen wohl eher selten.

„Daß Recht und Poesie miteinander aus einem Bette aufgestanden waren, hält nicht schwer zu glauben.“

Da hilft ein Blick in die Deutschen Rechtsalterthümer von Jacob Grimm (1828). Darin erläutert er die Rolle zahlreicher Gegenstände in der Rechtspraxis des Altertums. Und nach altdeutscher Sitte war ein Schuh eben Symbol für Abhängigkeit oder wurde bei einer Verlobung eingesetzt: Möchtest Du Dich verloben, so bring der Braut einen Deiner Schuhe! Sobald sie ihn an den Fuß gelegt hat, gehört sie zu Dir.

Jacob Grimms Rechtsalterthümer sind ein Bestandteil der Landesausstellung Expedition Grimm in der documenta-Halle. Trotz Jacobs 1807 getroffener Entscheidung, das Studium der Jurisprudenz zugunsten seiner Sprachforschungen aufzugeben, interessierte ihn die Rechtswissenschaft auch weiterhin, erzählt Caroline Kaiser, Mit-Kuratorin der Ausstellung. „Daß Recht und Poesie miteinander aus einem Bette aufgestanden waren, hält nicht schwer zu glauben“, schrieb Jacob in seinem Aufsatz „Von der Poesie im Recht“ im Jahr 1815. Er führte aus, dass das Recht ebenso wie die Sprache im Volksgeist verwurzelt sei. Jacob Grimm begann damals, eine umfangreiche Materialsammlung anzulegen, die die Monumentalität seines rechtshistorischen Hauptwerks von 1828 ankündigte. Sowohl der Artikel „Von der Poesie im Recht“ als auch Teile der Materialsammlung werden in der documenta-Halle ausgestellt.

Landesausstellung zeigt "Grimms für alle"

Landesausstellung zeigt „Grimms für alle“

Nicht nur Kinder können dort das Recht selbst in die Hand nehmen: Sie lernen, wie es in der Rechtsprechung üblich ist, auch abzuwägen - dafür haben die Ausstellungsmacher Justitias Waage aufgebaut.

„Hier dient die Waage dem buchstäblichen Abwiegen von Rechtsbegriffen und ihren Erklärungen“, erläutert Kaiser. Einer Auswahl an Begriffen, die für sich gesehen alltäglich und harmlos erscheinen, stehen Jacob Grimms Ausführungen gegenüber, die diese Begriffe in ihrer Bedeutung als „Rechtsalterthümer“ erklären. Gleich schwer wiegen dementsprechend der Begriff „Geweih“ und die Grimm’sche Erklärung dazu, dass man dies im Mittelalter neben gehängten Wilddieben anbrachte.

Ausstellungsbesucher können aber auch nachempfinden, wie es ist, einen Eid zu leisten. Dafür wurde eine bundesrepublikanische Amtsstube als Bühne für eine Vereidigung aufgebaut. Neben der Grimm’schen Definition des Eids ist auch der Diensteid für Beamte in Deutschland vorzufinden.

Im Jahr 1854 schrieb Jacob Grimm, dass er kaum ein anderes Werk „mit größerer Lust geschrieben“ habe als die Deutschen Rechtsalterthümer.

Und die Märchen? Irgendwie hängt das ja alles zusammen. Oft kann man diesen ja heute noch in Gerichtssälen lauschen.

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