Stadt trennte sich von ihm

Rechtsextremer arbeitete für Kasseler Jugendamt

Kassel. Die Stadt Kassel hat jahrelang, ohne es zu wissen, einen Sozialarbeiter mit rechtsextremer Gesinnung beschäftigt. Erst durch einen externen Hinweis wurden die Verantwortlichen im Rathaus darauf aufmerksam und trennten sich daraufhin sofort von dem Mann.

Der Mitarbeiter, der unter anderem Philosophie studiert haben soll, war für die Stadt seit rund zehn Jahren als Honorarkraft tätig. Er arbeitete für den Erziehungshilfeverbund Auguste Förster, der Eltern, Kindern und Jugendlichen unter anderem ambulante Angebote der Erziehungshilfe macht.

In seiner Tätigkeit für die Stadt leistete der Mann ambulante Einzelbetreuung und hatte dabei auch immer wieder Kontakt zu Jugendlichen mit ausländischen Wurzeln, heißt es. Das Jugendamt erfuhr erst in dieser Woche durch einen Hinweis von der rechten Gesinnung des Mannes, sagte Stadträtin Anne Janz. Als daraufhin im Rathaus recherchiert wurde, seien ausreichende Hinweise aufgetaucht, die den Hinweis bestätigten, sagte Jugendamtsleiterin Judith Osterbrink. Am Mittwochmorgen habe es mit dem Mitarbeiter ein Gespräch gegeben. Als er mit den Vorwürfen konfrontiert wurde, habe er nicht widersprochen, sagte Osterbrink.

Daraufhin sei die Zusammenarbeit beendet worden. Osterbrink: „Ein rechtsextremer Hintergrund ist in der Erziehungshilfe keinesfalls tolerierbar, schon gar nicht in der besonders sensiblen Einzelbetreuung.“ Der ehemalige Mitarbeiter habe seit 2003 im Jahr etwa ein bis zwei Jugendliche betreut. Nichts habe in der Vergangenheit darauf hingedeutet, dass der Mann Kontakte zur rechten Szene hatte, heißt es aus dem Rathaus.

Die Führungszeugnisse des Sozialarbeiters seien 1 a gewesen und hätten keine Hinweise geliefert. „In keinem ist irgendeine Auffälligkeit“, erklärte die Jugendamtsleiterin. „Man kann einem Mitarbeiter nur bis zur Stirn gucken“, sagte Janz. Nach Informationen des Hessischen Rundfunks (hr) gehörte der Mann bis 2010 der Kasseler Burschenschaft Germania an. Für sie soll er unter anderem einen rechtsextremen Redner zu einem Vortrag eingeladen haben und eine Zeit lang auch deren Sprecher gewesen sein.

Auch den studentischen Verband der Burschenschaft soll er geleitet haben. Außerdem soll er laut hr eine Internet-Seite der NPD verantwortet haben. Bei einem Internet-Versand für Artikel für rechtsgesinnte Kleidung, Fahnen, CDs und ähnliches soll er einen rassistischen Kommentar ins Forum geschrieben haben. „Kassel ist eine innere Kolonie, alles Kanaken! Dank u. Heil“, schrieb der Mann nach hr-Recherchen dort. Vor drei Jahren war er offenbar aus der Burschenschaft geflogen. Das gehe aus einer Austrittsliste hervor, die dem hr vorliege.

Von Christina Hein

Rubriklistenbild: © dpa

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