Hitzige Diskussionen

Umstrittener Auftritt in Kassel: Rechtspopulist empört mit Aussagen zum Islam - „Furchtbar, was er da erzählt“

Rechtspopulisten Michael Stürzenberger auf dem Kasseler Opernplatz
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Immer wieder kam es auf dem Opernplatz zu hitzigen Wortgefechten zwischen dem Rechtspopulisten Michael Stürzenberger und Zuhörern.

Aufklärung über den politischen Islam – das hat sich der Pegida-Aktivist Michael Stürzenberger auf die Fahnen geschrieben. Mit seiner rechtspopulistischen Bewegung Pax Europa machte er Station in Kassel.

Kassel – Auf dem Opernplatz wird am Samstag, 31.10.2020, schnell klar: Mit sachlicher Aufklärung hat der Auftritt wenig zu tun. Stürzenberger spricht mit wenigen Unterbrechungen fast sieben Stunden, sorgt in dieser Zeit bei vielen Passanten für Irritation. Es geht um Terroranschläge, um eine gefährliche Unterwanderung, auch mal um die Weiße Rose. Es geht um Koran-Suren, die zeigen sollen, wie gewaltbereit das Buch sei, und die Sharia, um Judenhass, den Kommunismus und immer wieder um die Gefahren des politischen Islams.

Stürzenberger, der wegen „islamfeindlichen Bestrebungen“ vom bayrischen Verfassungsschutz beobachtet wird, will Empörung und Wut. Er kriegt sie. Neben einer Gruppe Unterstützer und einigen Antifa-Mitgliedern, drängen sich vor der Bühne zumeist junge Menschen offenbar muslimischen Glaubens, die hörbar erregt sind wegen der Aussagen des Rechtspopulisten. Es gibt kleinere Geplänkel, auch Beleidigungen.

Auf die geht Stürzenberger ein, auf viele sachliche Fragen nicht. Als ihm zwei Antifa-Mitglieder Beleidigungen zurufen, fordert er – wie auf seinen Veranstaltungen üblich – von den anwesenden Polizeibeamten Ermittlungen wegen der Beleidigungen. Gleichzeitig bezeichnet er einen Zuhörer als „muslimischen Herrenmenschen“, eine weitere Zuhörerin nennt er „Göre“.

Pegida-Aktivist Michael Stürzenberger in Kassel: Sachliche Diskussion verwehrt

Es verletze, was Stürzenberger sagt, sagt ein Mann muslimischen Glaubens, der vor der Bühne steht. „Wir müssen doch alle Religionen respektieren und wollen alle zusammenleben.“ Er habe gefragt, ob er auf die Bühne dürfe, um sachlich zu diskutieren. Das sei ihm verwehrt worden.

Links von der Bühne steht eine Gruppe Befürworter, die immer wieder Applaus spendet. Unter ihnen ein Kasseler, der seinen Namen nicht nennen will, weil er befürchtet, als Beamter Ärger zu bekommen. „Es ist erschreckend. Nicht Herr Stürzenberger, sondern die“, sagt er und zeigt auf die Gruppe der Islam-Verteidiger vor der Bühne, die Stürzenberger erregt zurufen.

In Kassel: Passanten sind bestürzt über Pegida-Aktivist Michael Stürzenberger

Andere Passanten, die stehen bleiben und Stürzenbergers verbales Dauerfeuer verfolgen, schütteln den Kopf. Aussagen wie „Furchtbar, was er da erzählt“ und „Gefährlich“ fallen. Eine Passantin sagt: „Der trägt doch nur dazu bei, dass die Kluft zwischen seinen Anhängern und den Moslems immer tiefer wird.“

Während der Veranstaltung ist die Polizei mit zahlreichen Kräften vor Ort, um die Kundgebung des Islamkritikers und die Teilnehmer einer Gegendemonstration zu trennen. Letztere stehen zu Beginn noch auf der gegenüberliegenden Seite vor dem Café Alex, ziehen dann am Nachmittag unmittelbar an die Kundgebungsfläche heran. Zuvor hatten einige Gegendemonstranten die Fläche mit lauten Rufen gestürmt, sodass die Polizei einschreiten musste.

Ein Polizeisprecher sagte am Sonntag, 01.11.2020, man habe alle notwendigen polizeilichen Maßnahmen getroffen. Ob Anzeigen aufgenommen wurden, dazu äußert sich der Sprecher nicht.

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