Stadt lehnt vom Richter angebotenen Vergleich ab

Güteverhandlung: Rechtsstreit gegen Kasseler Rathaussekretärin eskaliert

Cornelia Harig

Kassel. Der Streit um eine Abmahnung der Stadt Kassel gegen die Rathaussekretärin Cornelia Harig (60) eskaliert: Bei der zweiten Güteverhandlung am Montag vor dem Arbeitsgericht bot der Richter einen Vergleich an.

Dieser sah vor, dass die Stadt ihre Abmahnung zurückzieht und sich vorbehält, die Sekretärin im Vorruhestand nur zu ermahnen. Die Stadt lehnte diesen Vergleich ab und auch Harig hatte im Vorfeld erklärt, keine Ermahnung mit gleichem Inhalt zu akzeptieren.

Lesen Sie auch:

-Rechtsstreit mit Sekretärin: Gericht lädt Oberbürgermeister Hilgen vor

-Sekretärin klagt gegen zweite Abmahnung

-Stadt nahm erste Abmahnung zurück und schickte die zweite

-Abmahnung gegen Rathaus-Sekretärin: Stadt rechtfertigt Strafe

Die Stadt wirft Harig vor, sie habe die Fraktionen über ein Fehlverhalten ihrer früheren Chefin informiert und damit Interna verraten. In einem Kammertermin Ende Februar soll endgültig über den Streit entschieden werden, der im Sommer 2012 begonnen hatte. Harig hatte damals beobachtet, wie ihre Chefin, die Leiterin des Revisionsamtes, eine andere Sekretärin beauftragte, während der Arbeitszeit die Doktorarbeit der Amtschefin zu tippen.

Weil Harig, nachdem sie den Personalrat (am 3. Juli) und den Oberbürgermeister Bertram Hilgen (24. Juli) informiert hatte, sich schließlich am 22. August 2012 an die Fraktionen wandte, hat sie aus Sicht der Stadt ihre Verschwiegenheitspflicht verletzt. Der Richter sagte in der Verhandlung, dass er nicht erkennen könne, dass Harig Verwaltungsgeheimnisse preisgegeben habe. Schließlich hätten die Fraktionen die Aufgabe, die Verwaltung zu kontrollieren.

Der Umstand, dass die Verfehlungen der Amtsleiterin über die Fraktionsbüros an die HNA gelangt seien, könne der Sekretärin nicht angelasstet werden. Vor diesem Hintergrund, so der Richter, halte er eine Abmahnung für überzogen – zumal die Sekretärin sich inzwischen in der passiven Phase ihrer Altersteilzeit befinde. Der „eigentliche Übeltäter“ sei nicht Harig, sondern die Amtsleiterin.

Die Frage des Richters, ob die Sekretärin auch abgemahnt worden wäre, wenn die Presse nicht berichtet hätte, verneinte Personalamtsleiter Dr. Joachim Benedix. Die Stadt müsse aber handeln, wenn sie von Verstößen gegen Dienstpflichten erfahre.

Aktualisiert um 16 Uhr

Benedix verwies mehrfach darauf, dass er sofort mit den Ermittlungen gegen die Amtsleiterin begonnen habe, nachdem Harig die Vorwürfe erhoben hatte. Dies hätte aber etwas Zeit gebraucht. Der Richter sagte, er halte es vor allem für ein Kommunikationsproblem. Die Stadt habe Harig möglicherweise nicht rechtzeitig über ihr Vorgehen gegen die Amtsleiterin informiert. Harig beschrieb im Gericht, dass sie ihre letzte Arbeitswoche in einem Einzelbüro ohne Arbeit verbringen musste. Ihr Ruf sei beschädigt worden, sie sei als Lügnerin dargestellt worden.

Zu Beginn des Streits hatte Harig noch angeboten, eine freundliche Abmahnung akzeptieren zu wollen. Weil dann von der Stadt eine dreiseitige Abmahnung kam, die auch der Richter als „sehr unfreundlich“ bezeichnete, gelte dieses Angebot nun nicht mehr. Sie kämpfe jetzt für ihren guten Ruf. (bal)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.