Sie fahren nur noch für private Veranstaltungen

Die Schiffe liegen still: Regelmäßige Personenschifffahrt auf der Fulda eingestellt

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Leinen los nur noch für private Veranstaltungen: Karola Söllner vor dem Fahrgastschiff „Hessen“ an der Anlegestelle Schlagd. Dort liegt auch die „Stadt Kassel“, die 2013 verkauft wurde, als Restaurationsschiff seit Jahren still.

Kassel. Von der einst stolzen weißen Flotte auf der Fulda ist nichts geblieben. Karola Söllner, die seit 50 Jahren zuletzt noch mit der „Hessen“ auf dem Fluss unterwegs war, hat die regelmäßige Personenschifffahrt eingestellt.

Es gibt nicht mehr genügend Fahrgäste. „Zuletzt sind wir mit zehn Leuten gefahren“, sagt die Schiffseignerin. Mit so wenig Passagieren sind die hohen Kosten für Schiff und Personal nicht mehr zu decken. „Es ist keine Perspektive mehr da“, sagt Karola Söllner traurig, „deshalb habe ich jetzt den Schlusspunkt gesetzt.“ Eine schwere Entscheidung: „Das war mal meine Altersvorsorge“. Doch aus dem geplanten Verkauf von Fulledampfer und Schifffahrts-Gesellschaft wird vorerst nichts. Auch ein Nachfolger könnte davon nicht mehr leben.

Das war mal ganz anders. Mit dem legendären Schaufelrad-Dampfer „Elsa“ wollten in den 1950-er und 1960-er Jahren alle fahren. Neben „Elsa“-Eigner und Kapitän Ernst Ziege waren auch die Familien Rehbein, Heidenbluth und Söllner mit mehreren Schiffen auf der Fulda unterwegs.Die Ausflugsfahrten durchs Fuldatal erfreuten sich großer Beliebtheit. Es gab jede Menge Betriebsausflüge, auf den Schiffen wurden Geburtstage und Hochzeiten gefeiert.

So sah die weiße Fulda-Flotte aus

Fulda KasselSchifffahrt DampferKarola SöllnerStadt Kassel
Die „Stadt Kassel“wurde 1970 in Dienst gestellt und war das dritte Schiff der Söllner-Flotte. Bereits seit 1968 war auf der Fulda das große Boot „Herkules“ mit Platz für 300 Passagiere unterwegs. Die große „Herkules“ und die „Stadt Kassel“ mit Platz für 250 Personen hatte Karl Söllner in Berlin gekauft und nach Kassel gebracht. Die große „Herkules“ wurde 1976 durch die noch größere „Hessen“ ersetzt und verkauft. Mit der „Bärbel“ (siehe Foto links oben) und der „Gisela“ (ab 1973 bis 1979, 30 Passagiere) schipperten über Jahre fünf Fahrgastschiffe der Söllner-Flotte über die Fulda. © Archivfoto: Hans-Joachim Baron
Fulda KasselSchifffahrt DampferKarola SöllnerHessen
Die nagelneue „Hessen“ auf der Fahrt zur Kasseler Schleuse. Das 35 Meter lange Fahrgastschiff mit Platz für bis zu 350 Personen wurde 1976 in Dienst gestellt. Rechts im Bild ist das ehemalige Kasseler Polizeipräsidium an der Fulda zu erkennen, dort steht heute das Finanzamt. Die „Hessen“ bleibt künftig an der Anlegestelle Schlagd und wird nur noch für Veranstaltungen genutzt. Wegen der kaputten Kasseler Schleuse, deren Sanierung bis 2024 dauert, ist das Schiff im Oberwasser der Fulda gefangen. © Archivfoto: Hans-Joachim Baron
Fulda KasselSchifffahrt DampferKarola Söllner
Im April 1992 bringen Karola Söllner und Schiffsführer Gerhard Friedl das Fahrgastschiff „Hessen“ auf Hochglanz. Die letzten Vorbereitungen dienten dem Start in die Saison zu den Osterfeiertagen. © Archivfoto: Jochen Herzog
Fulda KasselSchifffahrt DampferKarola Söllner
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Fulda KasselSchifffahrt DampferKarola SöllnerHerkules
Das kleine Boot „Herkules“ hatte Karl Söllner 1967 am Rhein gekauft und nach Kassel gebracht. Mit dem Schiff mit Platz für bis zu 154 Personen starteten die Söllners auf der Fulda. Vater Karl war Lotse auf dem Rhein und wie schon der Großvater auf Frachtschiffen zwischen Basel und Rotterdam unterwegs. Das Schiffsradar nahm den Lotsen die Arbeit weg. 1966 war Karl Söllner mit seiner sechsköpfigen Familie von St. Goar nach Kassel gekommen, um sich hier mit der Personenschifffahrt eine neue berufliche Existenz aufzubauen. © Archivfoto: Werner Lengemann
Fulda KasselSchifffahrt DampferKarola Söllner
Peter Knierim (von links), Karl Söllner, Gerhard Friedl und Karola Söllner machen 1978 das in Antwerpen gekaufte alte Frachtschiff „Ger Jea“ klar für den Einsatz auf der Fulda. Aus den Plänen, den Frachter in ein Restaurationsschiff zu verwandeln, wurde aber wegen zu hoher Kosten nichts. Ein Restaurationsschiff der Söllners fuhr 1981 zur Bundesgartenschau in Kassel. Bis 1986 war die „Roland“ mit Platz für 200 Passagiere als Fahrgastschiff im Dienst. © Archivfoto: Hans-Joachim Baron
Fulda KasselSchifffahrt DampferKarola SöllnerBärbel
60 Personen passten auf das Fahrgastschiff „Bärbel“ der Familie Söllner. Das Boot war in den Jahren von 1970 bis 1979 auf der Fulda unterwegs, das Bild entstand 1972. Damals gab es noch eine große Nachfrage nach Passagierfahrten ins Fuldatal. Häufig wurden die Schiffe auch komplett gemietet – für Betriebsausflüge, Geburtstage oder Hochzeitsfeiern. © Archivfoto: Hans-Joachim Baron

Der Niedergang habe auch damit zu tun, dass Kassel vor allem für Bergpark und Bad Wilhelmshöhe werbe, die Schifffahrt auf der Fulda aber kaum beachtet werde, kritisiert Karola Söllner. Die wegen der Sanierungsarbeiten bis 2024 geschlossene Schleuse und die Weigerung des Wasser- und Schiffahrtsamtes, den Fuldapegel um wenige Zentimeter abzusenken, um zumindest noch Fahrten flussaufwärts bis zur Neuen Mühle zu ermöglichen, hätten der Personenschifffahrt nun den Todesstoß versetzt, ist sie überzeugt. Jetzt „sind viele Leute entsetzt“, sogar eine Spendenaktion sei ihr angeboten worden. „Aber das will ich nicht“, sagt Karola Söllner.

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