Etliche Hauseigentümer müssen getrennte Ableitung von Niederschlags- und Schmutzwasser nachrüsten

Hauseigentümer müssen nachrüsten: Regen kommt viele teuer zu stehen

Widerstand aufgegeben: Hans Gilfert (links) ließ diese Woche für 10 000 Euro eine neue Regenwasser-Ableitung bauen. Im Graben steht Michael Knierim von der beauftragten Firma Herdes. Foto: Koch

Kirchditmold. Hans und Friedegard Gilfert haben ihren Widerstand aufgegeben. Nach erstem Protest, beugen sich die Kirchditmolder Eheleute der Forderung des Kasseler Entwässerungsbetriebs (KEB, zukünftig Kasselwasser), der sie zur getrennten Ableitung ihres Schmutz- und Regenwassers angehalten hatte.

Diese Woche ließen die Anlieger an der Christbuchenstraße ein Rohr zur Ableitung ihres Niederschlags in einen Bachlauf verlegen. Kosten: 10.000 Euro

Die Gilferts sind nicht alleine. 36 weiteren Anwohnern der Christbuchenstraße steht der Bau einer zusätzlichen Ableitung oder einer Versickerungsanlage bevor – oder sie haben ihn schon hinter sich.

Seit 60 Jahren ins Abwasser

Hintergrund ist, dass die in den 50er- und 60er-Jahren gebauten Häuser in einem Gebiet liegen, in dem eine getrennte Sammlung vorgeschrieben ist. Diese Regelung betrifft all jene Bezirke, durch die viele Gewässer fließen und eine Einleitung des Regenwassers gut möglich ist. Ein solches Trennsystem gilt für 30 Prozent der Kasseler Kanalisation. Für die restlichen 70 Prozent gilt das Mischsystem, Regenwasser darf dort ins Abwasser fließen.

Beim Bau der Häuser in der Christbuchenstraße wurde auf die vorgeschriebene Trennung oftmals wegen topografischer Schwierigkeiten verzichtet. Stattdessen wurde das Wasser aus den Regenrinnen fast 60 Jahre lang in den Abwasserkanal eingeleitet. Dem KEB fiel der Fehler auf, als er 2010 im Zuge der so genannten Eigenkontrollverordnung des Landes anfing, die Kasseler Hausanschlüsse auf mögliche Defekte zu prüfen. Allein in der Christbuchenstraße habe der KEB 37 Anlieger aufgefordert, nachträglich für eine Trennung zu sorgen, sagt Tobias Rottmann, Sachgebietsleiter Grundstücksabwässerung des KEB.

Die Gilferts wollten dies zuerst nicht hinnehmen. „Aufwand und Nutzen stehen in keinem Verhältnis“, sagt Friedegard Gilfert. Gemeinsam mit Nachbarn versuchten sie anwaltlich gegen die Forderung vorzugehen. Es kam zu einer Anhörung im Rathaus. Ohne Erfolg. Auf eine Auseinandersetzung vor Gericht wollten sie es nicht ankommen lassen.

Argumente unklar

Hans Gilfert versteht bis heute nicht, warum der KEB nicht eher auf eine Trennung des Regenwassers bestanden hat. 1981 sei die Christbuchenstraße aufgerissen und sämtliche Leitung erneuert worden. „Damals wäre eine Nachrüstung wesentlich günstiger gewesen.“

Auch leuchten den Gilferts die Argumente nicht ein, mit denen der KEB die Trennung begründet. Rottmann vom KEB erläutert, dass das Kasseler Abwassernetz für eine bestimmte Kapazität ausgelegt sei. Dabei sei berücksichtigt worden, dass einige Haushalte ihr Regenwasser nicht ins Schmutzwasser leiten. Wenn sich diese nicht daran hielten, komme es zur Überlastung.

Weil sie ihr Wasser jetzt trennen, sparen die Gilferts jährlich 130 Euro Abwassergebühr. „Da haben wir die Investition in 100 Jahren wieder drin“, sagt Friedegard Gilfert.

Von Bastian Ludwig

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