Weitere Flüchtlingsflüge nach Calden in Planung

Region nimmt neun Syrer auf

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175 Flüchtlinge aus Syrien landeten am 30. Oktober auf dem Flughafen Calden. Niemand von ihnen wird später in Kassel oder im Landkreis leben. Von den insgesamt 5000 Syrern, die Deutschland aufnimmt, werden lediglich neun in die Region kommen.

Kassel. Von den 5000 Flüchtlingen aus Syrien, die Deutschland in den nächsten Monaten aufnehmen wird, werden 365 nach Hessen zugewiesen. Vier von ihnen kommen nach Kassel, fünf nimmt der Landkreis Kassel auf.

Ende Oktober waren erstmals 175 syrische Flüchtlinge auf dem Flughafen Calden gelandet. Wie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) mitteilt, werden aus dieser ersten Gruppe lediglich drei in Hessen bleiben, in Kassel nach derzeitigem Stand keiner. Der Rest werde auf die übrigen Bundesländer verteilt.

Die nächste Maschine mit Flüchtlingen aus Syrien wird am Montag, 18. November, in Hannover landen. Wann das nächste Flugzeug in Calden erwartet wird, ist noch nicht klar. Auch noch nicht, wie viele Landungen es in Calden insgesamt noch geben wird. „Die Organisation der Charterflüge ist noch in Planung“, sagt Sprecher Christoph Sander.

Alle Flüchtlinge, die in Calden ankommen, werden zunächst ins Grenzdurchgangslager Friedland (Landkreis Göttingen) gebracht. Dort werden sie nach einem Schlüssel auf die Bundesländer verteilt. Hierbei spielen die Bevölkerungszahl der Länder sowie deren Steuereinnahmen eine Rolle (Königssteiner Schlüssel). „Wie viele Flüchtlinge in Calden landen, hat also nichts damit zu tun, wie viele letztlich auch in Kassel bleiben“, sagt Sander.

Für die weitere Verteilung der Flüchtlinge innerhalb des Bundeslandes in die einzelnen Kommunen ist dann das jeweilige Land selbst zuständig. Auch hier kommt ein bestimmter Schlüssel zur Anwendung. Dabei spielen die Einwohnerzahl der einzelnen Städte, der jeweilige Ausländeranteil, aber auch familiäre Bindungen der Flüchtlinge eine Rolle. Für Stadt und Landkreis heißt das: Hier werden neun der insgesamt 5000 Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen. Hinzu kommen jene, die aus eigener Kraft die Flucht nach Deutschland geschafft haben und hier Asylanträge gestellt haben.

Hintergrund: Flüchtlinge werden von UN vorgeschlagen

Seit Anfang 2011 herrscht in Syrien Bürgerkrieg. Bis einschließlich Juli 2013 wurden nach UN-Angaben mindestens 100 000 Menschen getötet. Rund 2,6 Millionen Syrer flohen aus ihrem Land und mehr als vier Millionen sind innerhalb Syriens auf der Flucht.

Nur die Spitze des Eisbergs

Wenn also Deutschland 5000 Flüchtlinge aufnimmt, ist das nur die Spitze des Eisberges. „Die Entscheidung darüber, wer in Deutschland einreisen kann, trifft das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF)“, sagt Sprecher Christoph Sander.

Die Flüchtlinge, die dafür infrage kommen, werden zuvor von den Vereinten Nationen (UN) vorgeschlagen – genauer vom „United Nations High Commissioner for Refugees“ (UNHCR), zu deutsch vom „Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen“. Er ist Chef der UNHCR und heißt António Guterres. Seine Institution mit 6800 Mitarbeitern ist in 126 Ländern vertreten. Die deutsche Abteilung hat ihren Sitz in Berlin.

Der UNHCR bringt entsprechende Auswahlverfahren für Flüchtlinge ins Rollen. Im Beispiel Syriens konnten vom Krieg Betroffene ihren Ausreisewunsch nach Deutschland via Internet oder Telefon anmelden. In das Verfahren aufgenommen wurden jene, die eine besondere Hilfsbedürftigkeit belegten (zum Beispiel eine schwere Krankheit), die familiäre oder sonstige Bezüge nach Deutschland haben (vorangegangene Studien- und Arbeitsaufenthalte) und die dazu in der Lage sind, nach Beendigung des Konfliktes einen besonderen Beitrag zum syrischen Wiederaufbau zu leisten. (bon)

Von Boris Naumann

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