Festrede hielt Peter-Matthias Gaede

"Die Region trifft sich": Gala für den Herkules in Kassel

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Sie präsentierten das Herkules-Buch zur Veranstaltung: Von links Sparkassen-Vorstandschef Ingo Buchholz, Festredner Peter-Matthias Gaede, Jochen Johannink (Sparkassen-Vorstand), Verlegerin Renate Matthei, Wolfram Ebert (Sparkassen-Vorstand), Buch-Herausgeber Dr. Joachim Schröder und Dr. Ingo Beinhauer vom Sparkassen-Vorstand.

Kassel. Zum Geburtstagsempfang für einen wahrhaft großen Kasseler geriet am Dienstag die Traditionsveranstaltung „Die Region trifft sich“ im Foyer der Kasseler Sparkasse an der Wolfsschlucht.

Der Herkules, der sich seit 300 Jahren über Bergpark und Stadt erhebt, zog in Gestalt eines Riesenplakats die Blicke von 800 Gästen aus vielen Bereichen des öffentlichen Lebens von Stadt und Landkreis Kassel auf sich.

Auch aus dem Umland, so Sparkassen-Vorstandschef Ingo Buchholz in seinen Begrüßungsworten, sei der starke Mann an seinem angestammten Ort weithin sichtbar und verkörpere Stolz und gewachsenes Selbstbewusstsein einer gesamten Region. Die damals bahnbrechende Leichtbau-Konstruktion des Kasseler Helden habe später gar das Vorbild beim Bau der New Yorker Freiheitsstatue abgegeben. So sei Kassel zumindest in puncto symbolische Ingenieurskunst auf Augenhöhe mit der US-Weltmetropole, sagte Buchholz.

Festrede hielt Peter-Matthias Gaede

Und außerdem sei der Herkules, wie er lässig auf seiner Keule lümmelt, ein ziemlich cooler Typ, meinte Peter-Matthias Gaede. Der in Kassel aufgewachsene Journalist und langjährige GEO-Chefredakteur beleuchtete in seiner Festrede die Entstehungsgeschichte des Kasseler Wahrzeichens und zog dabei interessante Parallelen vom gigantomanischen Kunst-Ausdruckswillen Landgraf Carls bis zu jüngsten documenta-Debatten: Dass Kunst eine teure Sache werden kann, „zumal wenn man die ganze Welt mit ihr bewegen, besser noch auf den Kopf stellen will“, hätte Carl wie 300 Jahre später auch documenta-Leiter Adam Szymczyk erfahren müssen.

Die vollständige Rede können Sie hier herunterladen

Heute wie einst aber könne in der Kunst nichts Großes entstehen, wenn Sparkommissare die Macht übernehmen und „der Biedersinn siegen“ sollte, positionierte sich Gaede in der Debatte um fehlende d14-Millionen. Eine künftige documenta-Leitung müsse frei in ihren künstlerischen Entscheidungen bleiben. Jedoch dürfe die Öffentlichkeit erwarten, dass den von ihr bereitgestellten finanziellen Rahmenbedingungen „nicht mit Arroganz oder Chuzpe begegnet wird“.

Rahmenprogramm maßgeschneidert für Kasseler Helden

Den Herkules hoch über Kassel juckt dies alles nicht; er hat schon ganz andere Anfechtungen überstanden – von Einschusslöchern im Siebenjährigen Krieg über bizarre Umbaufantasien der Nazis bis zur „Digital-Prüderie“ (Gaede) von Facebook mit dem Versuch, Penis und Po des Kasseler Helden von dem sozialen Netzwerk zu verbannen. Man stelle sich Kassel ohne den Herkules vor, legte der Laudator dem Publikum nahe: „Es sähe dann womöglich aus wie Bielefeld. Oder wie Hannover.“

Auf Kassels Helden war auch das Rahmenprogramm maßgeschneidert: Kupfergrün schimmerte die Effektbeleuchtung im Sparkassenfoyer, vielfältige Buffet-Köstlichkeiten gab es vorzugsweise in Keulenform und Lokalbarde Dark Vatter alias Timo Israng stimmte unter anderem das Lied von den 542 Stufen hinauf zum Herkules an.

"Die Region trifft sich" in Kassel

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