Betreiberwechsel: Gewerkschaft befürchtet schlechte Entlohnung

Betreiberwechsel im Dezember: Einbußen für Regiotram-Fahrer?

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Fahrerwechsel: Ab Dezember hat die Regiotram neue Betreiber. Die bisherigen Fahrzeugführer, die bei der DB Regio beschäftigt sind, stehen sich schlechter, falls sie an Bord bleiben.

Kassel. Lokführer dringend gesucht: Die Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) und die Hessische Landesbahn (HLB) benötigen insgesamt 75 Triebwagenführer für die Regiotram und haben entsprechende Stellenanzeigen geschaltet.

Hintergrund: Die Linien RT3 nach Hofgeismar und Warburg, RT4 nach Wolfhagen, RT5 nach Melsungen und RT9 in die Schwalm fahren ab Dezember unter neuer Regie.

Nachdem die DB Regio als Mitbetreiberin ausgestiegen ist, wird künftig eine neue Tochterfirma von KVG und HLB die Strecken betreiben. Schön für die Fahrgäste: Der Takt der Bahnen soll dichter werden. Nicht schön für die Lokführer der DB Regio, die bislang auf den Regiotram-Linien im Cockpit sitzen: Wenn sie zum neuen Betreiber wechseln, droht ihnen eine Verschlechterung der Arbeitssituation mit Gehaltseinbußen.

„Die Formulierung in der Stellenausschreibung lässt befüchten, dass der neue Betreiber noch nicht einmal den eh schon schlechteren Branchentarifvertrag bezahlen möchte“, kritisierte Lokführer Thomas Hupfeld von der Gewerkschaft GDL in Kassel. Das Einstiegsgehalt liege dabei mit 2295 Euro deutlich unter dem Bundesrahmenvertrag für Lokführer. Bei einem Arbeitgeberwechsel würden die Jahre der Berufserfahrung nicht mitgerechnet, und man fange dann wieder mit dem Einstiegsgehalt an.

„Unsere Lokführer sind über den Rückzug der DB Regio auf den betroffenen Strecken informiert“, teilte dazu DB-Pressesprecher Thomas Bischoff mit: „Wir bieten allen Mitarbeitern eine sozialverträgliche Weiterbeschäftigung in unserem Konzern an.“ Ein weiterer wohnortnaher Einsatz der Betroffenen in der Region könne jedoch nicht garantiert werden. „Auch für einen möglichen Übergang der älteren Lokführer mit Beamtenstatus laufen Gespräche“, sagte der DB-Sprecher. Er bestätigte jedoch auch, dass ein solcher Schritt für die betroffenen Lokführer weitreichende Folgen für die Pensions- und die Urlaubsansprüche habe.

Das könnte für KVG und HLB noch spannend werden: Auf dem Arbeitsmarkt sind aktuell so gut wie keine Lokführer verfügbar. Bundesweit sind derzeit 800 Lokführer-Stellen nicht besetzt.

Engpass bei Lokführern

Der Engpass ist der Hessischen Landesbahn bekannt. „Wir gehen davon aus, dass nur wenige der derzeitigen DB-Lokführer ihre Sicherheiten aufgeben und den Arbeitgeber wechseln werden“, sagte HLB-Pressesprecherin Susanne von Weyhe: „Wir brauchen so viel Vorlauf bei der Personalbeschaffung, weil mögliche Quereinsteiger bis Dezember gleich zwei Ausbildungen als Triebfahrzeugführer und als Straßenbahnfahrer absolvieren müssen.“ Die HLB wolle dem Fachkräftemangel mit einer neunmonatigen Ausbildung für Quereinsteiger begegnen.

Von Mathias Pieren

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