Neuer Streik droht

Regiotram-Gesellschaft kann sich Ausfälle nicht erklären

Thomas Hupfeld

Kassel. Die Regiotram-Gesellschaft (RTG) hat eine schwierige Wegstrecke vor sich: Eine erneute Krankheitswelle und ein weiterer für diese Woche angekündigter Warnstreik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) werden ihre Fahrgäste vor allem auf den Linien 3, 4 und 5 zu spüren bekommen.

Bereits das ganze Jahr habe man mit einem ungewöhnlich hohen Krankenstand zu kämpfen, sagt RTG-Geschäftsführer Klaus Reintjes. Aktuell liege dieser gar bei 20 Prozent, normal seien für Personal im Fahrdienst sechs bis sieben Prozent.

So richtig erklären könne er sich diesen hohen Krankenstand nicht. Vor allem im ersten Halbjahr nach der Betriebsübernahme der RTG sei die Belastung der Fahrer sicher hoch gewesen, doch habe man Mitte des Jahres mit mehr Personal die Dienstpläne umgestellt, kürzere Schichten eingerichtet und Urlaubszeiten eingeräumt. „Das alles hatte jedoch keine Auswirkungen auf den Krankenstand“, sagt Reintjes. Dieser habe vom ersten Tag an bei zehn Prozent und mehr gelegen.

Insgesamt 85 Lokführer seien für die Regiotrams im Einsatz. Das seien acht Prozent mehr, als man unter normalen Bedingungen bräuchte. Von Personalmangel könne also keine Rede sein. Aber solch hohe Krankenstände (allein fünf Fahrer seien langzeitkrank) fange man auch bei allen Anstrengungen der verbliebenen Fahrer und einer guten Personalreserve nicht auf, fügt RTG-Sprecherin Heidemarie Hamdad hinzu. Weitere Lokführer würden in einem neunmonatigen Lehrgang ab Januar ausgebildet, aus dem aktuellen Lehrgang kämen demnächst vier weitere Fahrer.

Vor allem kurzfristig angesetzte Streiks könne man jedoch nur in Teilen auffangen, sagt Reintjes. Betroffen seien dann vor allem Fahrgäste, die auf dem Land leben.

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„Wir hoffen, dass die GDL von ihren extremen Forderungen zurückgeht“, sagt Hamdad. Geforderte Lohnkostenerhöhungen von rund 30 Prozent seien nicht zu bewältigen. Andererseits verhandele man bereits seit einiger Zeit mit dem Betriebsrat, und habe Verbesserungen umgesetzt. Und schließlich habe man einen Branchentarifvertrag, an den sich auch andere Verkehrsbetriebe hielten.

Der Vorsitzende der GDL-Ortsgruppe Kassel, Thomas Hupfeld, unterstreicht indes die Forderungen der Gewerkschaft, den Lokführern der Regiotrams beispielsweise mehr freie Wochenenden (zwölf statt bisher zehn) einzuräumen. Denn diese seien unter anderem durch viele zusätzliche Schichten extrem belastet. Zum Teil bestünden sogar noch Urlaubsansprüche aus dem Vorjahr. Hupfeld: „Die Personalpolitik der RTG ist nicht nachzuvollziehen.“

Wenn die RTG bei der Suche nach einem Kompromiss nicht auf die GDL zukomme, werde es auf unbefristete Streiks hinauslaufen. Die Urabstimmung sei für die Weihnachtsfeiertage geplant. Keine guten Aussichten auch für die Fahrgäste in der Region. (hei)

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