Barrierefrei nur am alten Bahnübergang

Regiotram-Station Jungfernkopf: Umwege für Rollifahrer

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Direkter Zugang nur über Treppen: Die Bahnsteige der Regiotram-Station Jungfernkopf sind über zwei Treppen links und rechts der Unterführung erreichbar. Die Treppe an der Seite Eisenbahnweg (Bild) ist derzeit noch nicht freigegeben. Daher müssen nicht nur Rollstuhlfahrer und Eltern mit Kinderwagen, sondern alle Fahrgäste die 200 Meter Umweg in Kauf nehmen. Sie gelangen am alten Bahnübergang in Höhe der Wegmannstraße (am Ende des Eisenbahnwegs) barrierefrei zu den Zügen.

Jungfernkopf. Wer keine Treppen laufen kann, muss an der Regiotram-Station Jungfernkopf Umwege in Kauf nehmen: Seit Ende November ist der beschrankte Bahnübergang geschlossen, der Verkehr unterquert jetzt die Gleise in der neuen Unterführung an der Schenkebier Stanne.

Dort halten auch die Busse. Einen barrierefreien Zugang zu den Bahnsteigen gibt es an dieser Stelle allerdings nicht.

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Rollstuhlfahrer oder Eltern mit Kinderwagen, die die Treppen nicht bewältigen können, müssen 200 Meter zurücklegen, um ebenerdig an die Regiotram-Haltestelle zu kommen – und zwar am bisherigen Hauptzugang an dem inzwischen geschlossenen Bahnübergang in Höhe der Wegmannstraße. Weil die Treppe auf der Seite des Eisenbahnwegs noch nicht freigegeben ist, müssen auch Fußgänger derzeit bis zum alten Bahnwärterhäuschen laufen, wenn sie in eine der stadteinwärts fahrenden Regiotrams steigen wollen.

Über barrierefreie Lösungen für die Haltestelle sei während des Planungsverfahrens 2005 intensiv nachgedacht worden, sagt NVV-Sprecherin Sabine Herms. Eine Rampe im Bereich der Unterführung sei nicht möglich, da diese maximal sechs Prozent Steigung haben dürfe und somit auch sehr lang geworden wäre. Ein Fahrstuhl sei wegen der hohen Kosten nicht infrage gekommen.

Während die Treppen 500.000 Euro gekostet haben, hätten zwei Fahrstühle Kosten von mindestens 900.000 Euro verursacht, sagt Herms. Hinzugekommen wären jährlich rund 25.000 Euro für Betrieb und die Behebung von Vandalismusschäden. Die Haltestelle werde von vergleichsweise wenigen Fahrgästen genutzt, derzeit etwa 400 pro Tag. Deshalb und weil es eine alternative Lösung - nämlich die jetzt umgesetzte - mit einer Rampe gab, hätte es für Fahrstühle keine Zuschüsse vom Land gegeben, sagt die NVV-Sprecherin.

„Die Situation ist nicht gerade glücklich“, sagt Helmut Ernst vom Behindertenbeirat der Stadt Kassel. Auch der Ortsbeirat Jungfernkopf hatte schon während der Planung für die Haltestelle 2005 auf das Manko hingewiesen. Allerdings, sagt Ernst, „sehen wir auch, dass es kaum eine andere Möglichkeit gab“. Die Topografie an der Stelle könne man ja nicht ändern.

Im Stadtteil ist bereits der Wunsch nach einer Querungsmöglichkeit über die Gleise geäußert worden, um nicht immer den Schlenker über die Unterführung machen zu müssen, um auf die andere Seite zu kommen. Das sei aus Sicherheitsgründen undenkbar, sagt die NVV-Sprecherin. Auf der Strecke verkehren neben den Regiotrams auch Regionalexpress-Züge, zudem kann sie bei Störungen auf anderen Strecken als Umleitung auch für Fernzüge ausgewiesen werden.

Wegen der potenziellen Gefahr beim Überqueren der Gleise war der beschrankte Bahnübergang durch die Unterführung ersetzt worden. Dafür hatten die Menschen am Jungfernkopf jahrzehntelang gekämpft.

Von Katja Rudolph

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