34-Jährige holte die Polizei - Mann abgeführt

Reisebüro-Chef kam nicht zu Prozess - Opfer traf ihn in Kneipe

Kassel. Nicht vor Gericht, aber in der Kneipe: Das wurde einem  Kasseler Reisekaufmann, der wegen Verdachts des gewerbsmäßigen Betrugs angeklagt ist, jetzt zum Verhängnis.

Weil er vor zwei Wochen zur Verhandlung nicht gekommen war, hatte das Gericht Haftbefehl gegen ihn erlassen. Eines seiner Opfer entdeckte den Angeklagten jetzt am Samstagabend in einer Kneipe im Vorderen Westen und rief die Polizei. Der Mann wurde abgeführt und in U-Haft in die JVA Wehlheiden gebracht.

Die 34-jährige Kasselerin, die 2013 von dem damaligen Inhaber eines Reisebüros am Königstor um das Geld für eine USA-Reise gebracht worden war, traute ihren Augen kaum, als sie am Samstag nach ihren Freunden in dem Lokal an der Querallee Ausschau hielt. „Da stand der Typ seelenruhig mit ein paar Leuten und hat sich offenbar einen schönen Abend gemacht.“

Am Dienstag vor zwei Wochen hatte die Kasselerin mit weiteren Geschädigten vor dem Amtsgericht vergeblich auf den Angeklagten gewartet. Viele der 13 betroffenen ehemaligen Kunden, denen der Reisekaufmann insgesamt 28.000 Euro abgenommen haben soll ohne die dafür bestellten Reisen zu buchen, waren als Zeugen zu der Verhandlung gekommen - zum Teil waren sie extra aus Stuttgart angereist. Weil der 58-Jährige von der Polizei auch nicht zuhause angetroffen wurde, platzte der Termin.

„Wir waren alle stinksauer“, schildert die 34-Jährige, „weil er sich schon wieder seiner Verantwortung entzieht.“ Seit zwei Jahren wartet sie auf die 4000 Euro, die der Reisebüro-Inhaber ihr schuldig ist. Dass sie das Geld nochmal wiedersehen wird, wagt sie kaum noch zu hoffen. „Aber ich will, dass er wenigstens geradestehen muss für das, was er mir und den anderen angetan hat.“

Deshalb zögerte das Opfer am Samstag auch nicht lang und gab der Polizei den Tipp, dass der per Haftbefehl gesuchte Angeklagte in der Kneipe war. „Zwei Beamte sind reingegangen, um ihn zu suchen, zwei haben draußen mit mir gewartet, falls er abhaut“, berichtet die Kasselerin. Wenig später wurde von den Beamten aus der rappelvollen Gaststätte abgeführt.

„Von seinen Begleitern durfte ich mir dann noch blöde Sprüche anhören, dass ich eine blöde Kuh sei“, schildert die Frau.

Wenn sie Pech hat, könnte ihr der mutmaßliche Betrüger bald erneut über den Weg laufen: Er wurde am Montag unter Auflagen wieder auf freien Fuß gesetzt. Weil noch ein Gutachten eingeholt werden muss, bevor die Verhandlung fortgesetzt werden kann, wäre es unverhältnismäßig, den Mann so lange in U-Haft sitzen zu lassen, sagte Amtsgerichtssprecher Matthias Grund. Der Angeklagte muss sich jetzt regelmäßig melden und zum nächsten Verhandlungstermin erscheinen - sonst wird der Haftbefehl wieder in Kraft gesetzt.

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