Insolvenz des Planungsbüros

Rekonstruktion der Löwenburg: Der Turm ist später dran

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Romantische Anlage mit erheblichem Sanierungsbedarf: Die Arbeiten an der Löwenburg verzögern sich. Nach wie vor soll aber der im Krieg zerstörte Bergfried rekonstruiert werden.

Kassel. Es ist nach der Herkules-Sanierung das größte Bauprojekt im Bergpark Wilhelmshöhe. Doch auf der Löwenburg geht es nicht richtig voran. Jetzt ist klar, dass sich die Rekonstruktion des im Krieg zerstörten Hauptturms um mindestens sechs Monate verzögert. Der Grund: Das Planungsbüro, das federführend für dieses Projekt war, ist pleite.

„Diese Insolvenz hat unseren Zeitplan durcheinandergebracht“, sagt Prof. Bernd Küster. Der Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) rechnet damit, dass die Arbeiten am Turm im Frühjahr 2015 beginnen werden. Ursprünglich war der Start ein halbes Jahr früher vorgesehen. Die Architektenleistungen müssen jetzt neu ausgeschrieben werden. Wie hoch die Mehrkosten sein werden, könne er jetzt noch nicht sagen, so Küster.

28,1 Millionen Euro stellt das Land Hessen bislang für die Sanierung der Löwenburg zur Verfügung. Dabei ist die Rekonstruktion des im Krieg zerstörten Hauptturms die größte Herausforderung. Statt des historischen Baumaterials soll dafür künstlicher Tuffstein zum Einsatz kommen. Dieses Material wurde an der Kasseler Universität in Kooperation mit der Uni Darmstadt entwickelt und soll deutlich haltbarer sein als das Original.

Mit Aussichtsplattform

So soll es wieder werden: Der Bergfried (links im Bild) wurde im Krieg zerstört und soll rekonstruiert werden.

„An dieser Planung hat sich nichts geändert, wir werden nur später fertig“, sagt Küster. Um Setzungen zu vermeiden, soll der Turm in mehreren Etappen gebaut werden. Wenn er fertig ist - das wird jetzt voraussichtlich bis 2018 dauern -, bietet der Turm von einer Aussichtsplattform einen Rundumblick über den Bergpark.

Trotz der Bauverzögerung sei man nicht untätig gewesen, sagt Küster. Die Löwenburg wurde bereits weitgehend ausgeräumt. Unter anderem habe man Styroporplatten entfernt, die unter historischen Wandteppichen versteckt waren. Nach der Sanierung soll die Burg wieder so originalgetreu wie möglich eingerichtet werden. Die Voraussetzungen dafür sind außergewöhnlich gut. Ein Großteil des Inventars hat den Krieg in Depots verstaut überstanden. Fachleute schätzen, dass 80 Prozent der historischen Möbel und Ausstellungstücke erhalten sind.

Hintergrund: Ab 1793 als Ruine gebaut

Die Löwenburg im Bergpark Wilhelmshöhe wurde ab 1793 von Landgraf Wilhelm IX. im Stil einer mittelalterlichen Burgruine erbaut. In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs war die Löwenburg ebenso wie Schloss Wilhelmshöhe von Fliegerbomben schwer getroffen worden. Der Hauptturm der Löwenburg, der Bergfried, wurde damals zerstört. Zur Sanierung der Burg gehören auch Arbeiten an den Außenanlagen. Hier ist ein Großteil der Arbeiten bereits abgeschlossen. Unter anderem wurde der Turnierplatz wieder nach historischem Vorbild hergerichtet. (tos)

Mehr über die Löwenburg im Lexikon der HNA.

Von Thomas Siemon

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