Ehemaliger Kerker

Relikt des mittelalterlichen Kassel: Druselturm wurde 600 Jahre alt

Spielten zum Jubiläum für und vor dem Druselturm auf: Die Musiker der Blechbläsergruppe Blech und Schwefel.

Kassel. Die Tür weit offen, das Innere gut ausgeleuchtet: So erlebten am Wochenende die Jubiläumsbesucher den ehemaligen Kerker des Druselturms.

Ganz anders muss es im Mittelalter für die hier Gefangenen gewesen sein. Von der Höhe der Stadtmauer aus wurden sie damals an Stricken durch ein Loch in das Verlies herabgelassen. Im Dunkeln und natürlich ohne die erst später eingebaute Tür saßen sie dort ihre Strafe ab, sahen meist ihrem Tod entgegen.

Gemeinsam gesungen: Mit den Besuchern der Jubiläumsveranstaltung übte Almut Jaeger (Verein Vikonauten, rechts neben Turmschild) ein Geburtstagsständchen für den Druselturm ein. Fotos: Fischer

Der Druselturm ist eines der wenigen Relikte des mittelalterlichen Kassel. Enge und Kargheit ließen Besucher bei den Führungen erahnen, wie sich Gefangene einst gefühlt haben müssen. Tom Gudella und andere Mitglieder des Vereins Vikonauten informierten über die Geschichte des 1415 erbauten Gebäudes. Zudem gab es einen Film und Exponate zu sehen. Darunter die Kamera des Fotografen Walter Thieme, der später im Turm ein Atelier betrieb.

Auf die über dem Kerker liegende Ebene ging es per Leiter. Aus Sicherheitsgründen aber nur für Vertreter des Vereins und der Stadt. Von einem Vorsprung in Höhe des einstigen Wehrganges aus begrüßten sie die Gäste.

„Der Druselturm symbolisiert wie kein anderes Bauwerk die Geschichte unserer Stadt“, sagte Kulturamtsleiterin Dorothée Rhiemeier und nannte ihn „einen Zeitzeugen mit außergewöhnlichem Format“. Stadtmuseumsleiter Dr. Kai Füldner wandte sich direkt an das 600 Jahre alte Gemäuer, das Kassel geschützt habe: „Und heute stehst du hier immer noch wie eine Eins.“

Bald mit Stromanschluss

Axel Jäger, Leiter des Amtes für Hochbau und Gebäudebewirtschaftung, sprach von einem recht genügsamen historischen Denkmal, das nicht mal Heizkosten verursache. Er kündigte an, der Turm solle einen eigenen Stromanschluss und eine Lichtinstallation erhalten, um ihn anzustrahlen.

Vikonauten-Vorsitzender Bernd Tappendeck wünschte sich eine archäologische Untersuchung des Untergrundes, dieser könne eine interessante Fundstelle sein. Vereinskollege Tom Gudella sprach sich für einen Treppenhaus-Einbau aus, um den Druselturm für Veranstaltungen besser nutzen und Besucher bis unter das Dach führen zu können.

Jubiläum: 600 Jahre Druselturm wird eingeweiht

Lesen Sie auch:

- Er überstand die Bombennacht 1943: Der Druselturm wird 600 Jahre alt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.