Thilko Gerke führt Firma in fünfter Generation

Rennert GmbH wird 125 Jahre alt: Baubetrieb mit Tradition

Rennert-Beschäftigte bei Steinmetzarbeiten unter dem Torbogen des Schlosses Wilhelmshöhe: Das Foto entstand 1924.

Kassel. Die Wahrscheinlichkeit, dass Thilko Gerke mit seiner alteingesessenen Bauunternehmung Rennert an Gebäuden arbeitet, die sein Ururgroßvater gebaut hat, ist groß. So geschehen bei der Sanierung der Sporthalle der heutigen Reformschule.

Denn die hat 1903 bis 1905 sein Vorfahr und Firmengründer Georg Rennert gebaut, der das Unternehmen 14 Jahre zuvor aus der Taufe gehoben hatte – heute auf den Tag genau vor 125 Jahren. Damit ist das in fünfter Generation familiengeführte Baugeschäft das vermutlich älteste in Kassel. Es hat zwei Weltkriege, die Weltwirtschaftskrise und unzählige Tiefen überlebt.

Thilko Gerke führt Rennert Bau in fünfter Generation. Heute feiert das Unternehmen sein 125-jähriges Bestehen. Foto: Schachtschneider

Heute ist Rennert ein Komplettanbieter im Hochbaubereich: Gewerbe- und Industriebauten gehören ebenso ins Repertoire wie Wohnungs- und Eigenheimbau – ganz gleich ob im Bestand oder neu. Als einer der Ersten der Branche entdeckte Gerkes Vater Wilfried, der den Betrieb 2005 an seinen Sohn übergab und 2009 unerwartet starb, das Geschäft mit der Sanierung und Modernisierung.

Die Referenzliste des mittelständischen Spezialisten ist lang: Commerzbank, Airbus Helicopters, ZF Luftfahrttechnik, Hotel Reiss, Kasseler Bank, Kasseler Sparkasse, Stadt und Landkreis, Evangelische Kirche, GWG und viele weitere Auftraggeber..

Das Geschäft läuft prima. „Die letzten drei, vier Jahre waren gut, und auch aktuell haben wir ordentlich zu tun“, sagt Gerke. 60 Leute sind täglich für ihn unterwegs und sorgen jährlich für fünf bis sechs Millionen Euro Umsatz. Rennert macht fast alles: vom 10 000- bis zum 400 000-Euro-Auftrag, wobei es auch Ausrutscher in den siebenstelligen Bereich gibt.

Wilfried Gerke - er starb vor fünf Jahren.

Im Gegensatz zu seinem Vater habe es auf ihn keinen spürbaren Druck gegeben, das Geschäft zu übernehmen, sagt der 44-jährige Diplom-Bauingenieur. Aber natürlich habe er eine unterschwellige Verpflichtung gespürt, zumal sein Vater unausgesprochen stets gehofft habe, dass sein Sohn in dessen Fußstapfen trete. Und dennoch: „Ich habe meinen Entschluss bis heute nicht bereut“, sagt der verheiratete Vater zweier Kinder.

Die Selbstständigkeit habe viele Vor-, aber auch Nachteile. Die Verantwortung für 60 Mitarbeiter und deren Familien könne gerade in schwierigen Zeiten eine große Bürde sein. „Das habe ich auch nach dem Tod meines Vaters gespürt, als ich plötzlich keinen mehr hatte, den ich um Rat fragen konnte“, erinnert sich der Unternehmer an diese menschlich schwierige Zeit.

Aber Gerke ist keiner, der lange in die Vergangenheit schaut. Sein Blick ist nach vorn gerichtet. Es gebe viel zu tun in der Branche, sagt er mit Blick auf den demografischen Wandel mit zunehmendem Bedarf an seniorengerechten Wohnungen, die Energiewende und die älter werdende Bausubstanz. Ob er das Geschäft in 15 bis 20 Jahren an eines seiner Kinder übergeben kann und will, weiß er heute noch nicht. „Das ist noch lange hin“, sagte Gerke. Druck auf Tochter oder Sohn werde es auf gar keinen Fall geben. „Auch nicht hintenherum“, versichert er.

Von José Pinto

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