Kasseler sagt aus, falsche Fünfziger seien ihm untergeschoben worden - Gericht spricht ihn frei

Rentner bestreitet Geldfälschung

Kassel. Wenn ein Angeklagter die Tat der toten Nachbarin zuschreibt, wird ein Gericht skeptisch bleiben. So dürfte es am Donnerstag auch der Richterin und den Schöffen zum Auftakt eines Geldfälschungs-Prozesses am Kasseler Amtsgericht gegangen sein. Doch am Ende sprachen sie den 76-jährigen Kasseler frei, dem das Herstellen und in Umlaufbringen von zwei falschen 50-Euro-Scheinen zur Last gelegt worden war.

Der Freispruch erfolgte nach dem Grundsatz: Im Zweifel für den Angeklagten. Staatsanwalt wie Verteidigung hatten dafür plädiert. „Auch das Gericht ist nicht davon überzeugt, dass Sie dieses Falschgeld hergestellt und in Verkehr gebracht haben“, sagte die Richterin. Der Kasseler soll nun auch sofort seine im Mai 2009 beschlagnahmte Computerausstattung zurückerhalten. Dafür dass er die Geräte entbehren musste, steht dem Rentner Entschädigung zu. Seine Bezüge liegen am Existenzminimum.

Die Anklage hatte dem Rentner zur Last gelegt, mit Scanner und Farbdrucker zwei falsche 50-Euro-Scheine erstellt zu haben. Um sich 100 Euro zu verschaffen, habe er dann die falschen Fünfziger unter ein 1000-Euro-Bündel gemischt, das er für eine Freundin abhob. „Damit habe ich überhaupt gar nichts zu tun“, beteuerte der Mann. „Ich bin selbst aufs Kreuz gelegt worden.“ Am fraglichen Tag im Februar 2009 habe er zunächst von seinem Konto 150 Euro abgehoben. Er habe mit seiner Nachbarin gegessen und sei dann zu der Freundin gefahren, um für diese Geld zu holen und einzukaufen. Ihre Scheine habe er in seinem Portemonnaie transportiert.

Am nächsten Morgen sei die Nachbarin erschienen und habe gebeichtet, dass sie ihm am Vortag falsche Scheine untergeschoben habe, berichtete der Mann. Auf der Suche danach sei er zu der anderen Frau gefahren - die jedoch ausgerechnet das Falschgeld ihrem Sohn zum Einkaufen mitgegeben habe. Sie hätten zwar den jungen Mann noch per Handy erreicht. Der aber sei nicht mit den Scheinen zurückgekommen, wie sie baten, sondern zur Polizei gegangen.

Der als Zeuge vernommene Sohn bestätigte den Anruf. Und nicht nur ein Kontoauszug der 150-Euro-Abhebung untermauerte die Version des Rentners. Eine Zeugin, die nach eigenem Bekunden erst kürzlich von der Anklage erfahren hatte, sagte aus, sie habe Anfang 2009 im Drucker der Nachbarin ein DIN-A 4-Blatt mit Geldschein-Ausdruck gesehen und diese deswegen ermahnt. Ein weiterer Zeuge versicherte, die Nachbarin habe ihm einmal ein solches Blatt gezeigt und angegeben, sie habe es im Altpapier gefunden.

Der Sohn berichtete, seine Mutter habe dem Rentner die Fälschung nie zugetraut. Dieser Freundin gegenüber könne er sich aber einmal selbst bezichtigt haben, räumte der 76-Jährige ein. Er schilderte, wie er die alkoholabhängige und todkranke Nachbarin aus der Schusslinie habe halten wollen. Er sei fast ein Vaterersatz für sie gewesen: „Ich wollte einfach nicht, dass sie Ärger hat.“ Jetzt könne es ihr nicht mehr schaden.

Von Katja Schmidt

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